Füchse schlagen kassel in doppel-ot und zwingen spiel 6: morrone wird zur mauer

81 Minuten Eishockey in Reinkultur, 17 Füchse gegen einen Favoriten, der plötzlich zittert. Die Lausitzer Füchse haben die Kassel Huskies im fünften Play-off-Auswärtsspiel mit 3:2 in der zweiten Verlängerung niedergekämpft und die Serie auf 3:2 gestellt – ein sechstes Spiel in Weißwasser ist Pflicht.

Die Zahl, die alles erklärt: 58. So viele Schüsse blockierte oder parierte Torhüter Anthony Morrone. Der US-Amerikaner verwandelte sich vor 3.800 Huskies-Fans in einen humanen Panzer, ließ selbst die gefeierte Top-Reihe der Huskies verzweifeln und warf sich nach dem Abpfiff in die Bande, als wäre das alles ein einziger Trainingsspiel.

Doch Morrone war nicht allein. Ohne vier verletzte Stammkräfte reduzierte Trainer Christof Kreutzer seinen Kader auf das Minimum – und das Team antwortete mit der größten Energieleistung der Saison. Nach dem 0:2-Rückstand glichen Lennard Nieleck und Eric Hjorth noch vor der zweiten Pause aus, schossen den Glauben zurück in die Kabine.

Die overtime wird zur geduldsprobe

Die overtime wird zur geduldsprobe

In der ersten Verlängerung jagte Kassel Schuss um Schuss, aber Morrone stand wie ein Monument. Die Füchse konterten, verpassten durch Lane Seidel das erste Mal, trafen den Pfosten. Die Uhr tickte, die Kräfte schwanden, die Nerven lagen blank. Dann die 80. Minute: Kassels Hunter Garlent scheitert am leeren Netz, weil Morrone den Schläger noch rechtzeitig hebt – und nur 60 Sekunden später schlägt Seidel in Unterzahl doch noch zu. Jubel, der sich anhört wie ein Aufschrei.

Für die Huskies ist der Einzug ins Halbfinale plötzlich offen. Die Mannschaft, die sich nach der Hauptrunde Selbstverständlichkeit erlaubte, muss am Sonntag nach Ostsachsen reisen, wo 2.000 Füchse-Fans ihre Halle in ein Kochen verwandeln. Drei Matchbälle hat Kassel bereits vergeben, einer davon in Doppel-Extra-Time.

Die Lausitzer gehen mit dem Momentum, aber ohne Reserve. Kreutzer wird wohl wieder 17 statt 20 Namen auf dem Zettel haben, Morrone wird wieder 40 oder 50 Schüsse brauchen, und die Bank wird kürzer sein als eine Powerbreak-Pause. Das macht sie gerade gefährlich: Wer nichts mehr zu verlieren hat, spielt mit Messer zwischen den Zähnen.

Spiel 6 ist keine Fußnote mehr, sondern ein Schnippen am Favoriten. Kassel muss gewinnen, um nicht in ein Entscheidungsspiel zu müssen, in dem bereits bewiesen wurde, dass Statistiken nur Papier sind. Morrone hat schon einmal einen Play-off-Abend geschrieben, der in die Vereinshistorie eingeht – er ist bereit, das Kapitel zu erweitern.