Araujo rettet uruguay im letzten moment und trauert um raphinha

Ronald Araujo lief in Wembley auf, als wäre nichts gewesen. 90 Minuten Präsenz, ein Bollwerk gegen Englands Angriffsbemühungen. Dann, in der Nachspielzeit, schlug Fede Valverde zu. 1:1. Die Celeste hatte sich gerade noch aus der Klemme befreit – und der Barça-Verteidiger durfte durchatmen.

Uruguay nimmt sich zurück den ball

Die Three Lions dominierten wie erwartet die Ballbesitzstatistik, doch das reichte nicht. Uruguay wartete in einem kompakten 4-4-2, schob geschickt den Ball von einer Seite zur anderen und schaltete um wie ein Uhrwerk. „Sie hatten ihn, wir hatten die Idee“, sagte Araujo im Mixed-Zone-Gewusel. Die Antwort kam spät, aber sie kam. Valverde zog aus 20 Metern ab, Jordan Pickford streckte sich vergeblich. Jubel bei den 3.000 uruguayischen Fans, die Ecke des Stadions in ein Mini-Montevideo verwandelt hatten.

Araujo selbst blieb dabei, wie er es seit Wochen macht: laut, klar, präsent. Er blockte zwei Schüsse von Harry Kane, gewann 75 % seiner Zweikämpfe und schob Jude Bellingham zweimal so geschickt aus dem Rhythmus, dass der Engländer sichtbar nervös wurde. Sein Fazit fiel kurz aus: „Gute Bilder für unser Volk. Wir wollten zeigen, dass wir noch hier sind.“

Raphinhas oberschenkelzerrung schmerzt doppelt

Raphinhas oberschenkelzerrung schmerzt doppelt

Dann die Wende. Raphinha. Der Flügelflitzer hatte im Training am Vortag einen Zahn ausgespuckt und am späten Abend die Diagnose: Fünf-Wochen-Pause. Der FC Barcelona verliert damit seinen Top-Scorer in der heißesten Phase der Saison, Uruguay verliert seinen kreativen Kopf für die WM-Quali. „Wir sind sehr traurig. Er ist unser Turbo, wir brauchen ihn“, sagte Araujo und schluckte. Die Stimme wurde leiser. „Aber wir sind Profis, wir haben kein Luxus-Problem, wir haben ein Pflicht-Problem.“

Die Verletzungsmisere schwappt gerade auf die Nationalteams über. Bellingham laboriert an einer Schulter, Vinícius fehlt Brasilien ebenfalls Wochen. Araujo wehrt ab: „Wir rennen nicht weg. Klub oder Nationalteam – das ist kein entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch.“ Die nächsten Termine: Copa-América-Vorbereitung, Liga-Endspurt, Champions-League-K.o.-Phase. Drei Ebenen, eine Belastung. Die Spieler zahlen den Preis, die Verbände kassieren.

Valverde ist uruguay

Valverde ist uruguay's turbo – und das wissen sie alle

Positiv bleibt die Form von Fede Valverde. Der Madrilene spielte acht Ballgewinne, erzielte sein fünftes Länderspieltor und lief 11,3 Kilometer – mehr als jeder andere. „Er ist spektakulär, unser Motor“, schwärmt Araujo. „Wenn er so weitermacht, kann er die Copa für uns entscheiden.“ Die Statistik gibt ihm recht: Uruguay ist seit 14 Partien ungeschlagen, wenn Valverde über 90 Minuten steht. Die Quote steigt auf 79 %, wenn er trifft.

Uruguay reist nach Montevideo, mit einem Punkt im Gepäck und mit neuem Selbstvertrauen. Der Gegner im Juni heißt dann Messi und Co. – das Endspiel vor dem Endspiel. Araujo nickt: „Wir haben England gezeigt, wer wir sind. Nächstes Ziel: Argentinien. Und Raphinha? Der kommt zurück. Und wenn er kommt, sind wir noch stärker.“