Frauen im sport: von bikini-zwängen bis kreuzband-lücken – der kampf geht weiter
Karla Borger erinnert sich noch genau an das Finale, in dem man ihr und ihrer Beachvolleyball-Partnerin ins Ohr flüsterte: „Das Fernsehen ist da, zieht doch bitte den Bikini an.“ 17 Jahre später dürfen Spielerinnen zwar endlich ihre Hosenlänge selbst wählen – doch die nächste Schikane wartet schon: Jede dritte Spitzensportlerin erlebt sexualisierte Übergriffe, und ihre Menstruation wird bei der Leistungsdiagnose immer noch mit einem Schulterzucken abgetan.
Früher war das rad ein symbol, heute ist es die datenlücke
Clara Grace saß 1895 auf ihrem Hochrad, das Korsett gegen eine Hose tauschend, und wurde zur Gefahr für die öffentliche Moral. Heute rissen Lena Oberdorf und 200 weitere Profifußballerinnen ihr Kreuzband – nur wurde ihre Verletzung jahrzehntelang nicht erforscht, weil der männliche Körper die Norm bleibt. Petra Sturm, Autorin von „Feminismus und Sport“, nennt das die Gender-Data-Gap: „Der Trainingsplan für Lionel Messi passt eben nicht auf Alexia Putellas.“
Die Sufragetten ließen sich Jiu-Jitsu eintrainieren, Bolivias Cholitas ringen heute gegen Männer in der TV-Arena – und erreichen, dass indigene Frauen auf einmal im Parlament sitzen. Der Trick ist derselbe: Sport als Trojanisches Pferd, das die Tore zur Macht öffnet. Wer den Körper beherrscht, beherrscht auch die Debatte.

Die nächste schlacht heißt mutterschutz
Borger, mittlerweile Präsidentin von Athleten Deutschland, drückte den Koalitionsvertrag der Bundesregierung wie einen Tennisball durch – heraus kam ein Passus zum Mutterschutz im Leistungssport. Kein Satz für die Geschichtsbücher, aber ein Zeichen: Organisation wirkt. Denn der Struktursexismus ist subtiler geworden. Früher sagte man Frauen, sie seien zu schwach für 90 Minuten Fußball. Heute fragt man nach dem Zyklus – aber nur, um die nächste Marketing-Story zu verkaufen.
Die gute Nachricht: Wer sich weigert, bleibt nicht mehr allein. Die Internationale Biathlon-Union musste Startgebühren für Schwangere erlassen, die FIFA räumt endlich Untersuchungsgelder für weibliche Knie ein. Die schlechte: Jede Reform kostet Haut. Die erste Frau, die Shorts statt Bikini trug, wurde ausgepfiffen – bis ihre Siegesserie die Kommentatoren zum Schweigen brachte.
Am 8. März zählt nur eine Bilanz: 130 Jahre nach Clara Grace steigt der Anteil weiblicher Sportdirektorinnen auf gerade mal 8 Prozent. Die Quote ist kein Selbstläufer, sie ist ein Kreuzbandriss, der erst dann heilt, wenn die Daten passen.
