Florian wellbrock startet entspannt ins em-jahr: „egal was kommt, es kann nur schlechter werden“
Vier Goldmedaillen, ein Rekord, ein Mythos – und jetzt? Florian Wellbrock tritt das EM-Jahr 2026 an, als hätte er nichts zu verlieren. Dabei hat er alles gewonnen, was es in Singapur zu gewinnen gab. „Egal was kommt, es kann nur schlechter werden“, sagt der Magdeburger. Kein Selbstmitleid, nur nüchterne Feststellung. Der Mann, der 2025 die Weltmeisterschaft dominierte, spricht wie jemand, der weiß, dass Spitze nicht nur hoch, sondern auch einsam ist.
Die last des perfekten
Wellbrock redet nicht gern über Druck. Er redet über Tribute. „Der Körper zahlt nach“, sagt er, und meint damit die Erkältungen, die ihn in diesem Frühjahr öfter lahmlegten als jemals zuvor. Er, der sonst ein Dauerläufer im Wasser ist, musste pausieren. „Vielleicht war das nötig“, sagt er. „Vielleicht war das der Preis.“ Der 28-Jährige hat nicht vor, 2026 wieder vier WM-Titel zu holen. Er will nur eins: schwimmen. Ohne Ziel, ohne Plan, ohne Netz. „Ich will die Weltcups alle vier Stationen lang mitnehmen. Das habe ich noch nie geschafft.“
Paris, Olympiaort 2024, wird 2026 zur Bühne der Europameisterschaft. Für Wellbrock kein Ort der Rache, sondern der Chance. „Ich habe keine negativen Erinnerungen an Paris“, sagt er. „Nur eine offene Rechnung mit mir selbst.“ Die Niederlage von vor zwei Jahren, damals abgestürzt auf Platz acht, nannte er eine „mentale Formsache“. Nun will er zurück an genau die Stelle, an der er scheiterte – nur eben nicht im olympischen Becken, sondern in der Seine. „Fast schade, dass wir nicht denselben Abschnitt schwimmen“, sagt er. „Dann könnte man direkt etwas gutmachen.“

Geld, medaillen, motivation
Wellbrock redet offen über Preisgelder. „Die EM bringt uns kaum was rein“, sagt er. „Die Weltcups sind es, die uns refinanzieren.“ Ein Satz, der selten fällt im deutschen Spitzensport. Doch Wellbrock ist kein Standardathlet. Er ist Betriebswirt, der seine Karriere selbst kalkuliert. „Ich muss schauen, wo ich bleibe.“ Also fährt er nach Soma Bay, dann nach Abu Dhabi, später nach San Francisco. Vier Stationen, vier Mal Startgeld, vier Mal Chance, sich zu zeigen – nicht zu beweisen.
Der Countdown läuft. Am Freitag geht’s los. Wellbrock wird nicht als Weltmeister, sondern als Schwimmer an den Start gehen. „Ich bin gespannt, wie sich das anfühlt“, sagt er. „Ohne Ziel, aber mit Lust.“ Vielleicht ist das der neue Plan: sich treiben lassen, statt zu kämpfen. Vielleicht reicht das. Vielleicht muss es auch nicht reichen. Für Wellbrock zählt nur eins: wieder ins Wasser zu kommen. Und dann zu schauen, wohin die Strömung trägt.
