Fichtner schockt biathlon-elite mit karrierebest in kontiolahti
Manchmal braucht es nur einen einzigen fehlerfreien Tag, um alles zu verändern. Marlene Fichtner, 22 Jahre alt, aus München, bisher im Weltcup kaum aufgefallen, fuhr am Donnerstag beim Einzel in Kontiolahti auf Platz fünf — das beste Ergebnis ihrer Karriere, und das ausgerechnet im ersten großen Rennen nach dem Rücktritt von Franziska Preuß. Niemand hatte das auf dem Zettel.
Null fehler, null kompromisse — fichtner liefert das rennen ihres lebens
Minus fünf Grad, 15 Kilometer, vier Schießeinlagen. Fichtner traf alle Scheiben. Alle. Während ihre Teamkolleginnen reihenweise Strafrunden drehten oder kostbare Sekunden liegen ließen, blieb die Münchnerin eiskalt am Stand und lief am Ende mit 1:25,9 Minuten Rückstand auf Siegerin Elvira Öberg ins Ziel. Ihr bisheriges Karrierehoch war ein 16. Rang. Den Rest kann man sich denken.
Das ist kein Zufall, das ist ein Signal. Der DSV hat nach den mageren Olympia-Wochen — nur Bronze in der Mixed-Staffel, ansonsten Enttäuschung auf ganzer Linie — dringend eine neue Gesichterin gebraucht. Fichtner meldet sich laut.

Hettich-walz verliert das podest am letzten anschlag
Janina Hettich-Walz war lange auf Podestkurs. Dann kam der letzte Anschlag, zwei Fehler, und damit war der Traum vom Treppchen passé. Rang neun, +2:22,8 Minuten. So grausam kann Biathlon sein — ein Moment der Unkonzentriertheit, und der ganze Renntag kollabiert.
Auch Selina Grotian (drei Fehler), Vanessa Voigt — immerhin Olympia-Vierte im Einzel — und Julia Tannheimer blieben weit hinter ihren Möglichkeiten. Der Kontrast zu Fichtner hätte nicht schärfer sein können.
Öberg-schwestern teilen kontiolahti unter sich auf
Den Rahmen für Fichtners Überraschung setzte ein schwedisches Familienduell. Elvira Öberg holte sich mit fehlerfreier Schießleistung ihren dritten Saisonsieg, Hanna Öberg folgte mit einem Fehler auf Rang zwei (+41,3 Sekunden). Bronze ging an Paulina Batovska Fialkova aus Tschechien (+45,0 Sekunden). Schweden dominiert, das ist in dieser Saison keine Neuigkeit mehr.
Elvira Öberg ist in dieser Weltcup-Saison das Maß aller Dinge — und solange sie so trifft, wird das auch so bleiben.
Was als nächstes kommt
Am Freitag um 17:10 Uhr sind die Männer dran: 20 km Einzel, live auf Eurosport und bei HBO Max. Für den DSV gehen Lucas Fratzscher, Philipp Horn, Philipp Nawrath, Leonhard Pfund und David Zobel an den Start. Justus Strelow fehlt verletzt. Am Samstag folgen der Massenstart der Frauen um 13:40 Uhr und die 4x7,5-km-Staffel der Männer um 15:40 Uhr.
Fichtner hat ihren Teil getan. Jetzt liegt es am Rest des Teams, nachzuziehen — oder weiter zuzuschauen, wie eine 22-Jährige aus München den deutschen Biathlon-Winter rettet.
