Evenepoel fliegt aus schneekäfig – und landet in godons schatten

Remco Evenepoel kam mit Blaulicht zum Rennen und verließ es mit Silber am Hals. Der Belgier, am Samstag noch von der Guardia Civil vom Teide ins Flugzeug gebracht, verlor in Sant Feliu de Guíxols den Auftakt der Volta a Catalunya gegen Dorian Godon – um einen halben Radumdrehung.

Die schneefalle von teide

Evenepoels Winterlager endete im Kältetrauma. Ein atlantischer Stau ließ auf 2.300 Metern Schnee fallen, die Strasse zum Flughafen Teneriffa-Süd war zunächst gesperrt. „Zehn Minuten Rutschpartie, dann trocken“, sagte er und lachte bitter. Die Eskorte der Polizei wirkt im Rückblick wie Overkill, war aber nötig, damit sein neues Red Bull-bora-hansgrohe-Visier nicht schon vor Start Nummer eins beschlägt.

Das Team zahlte für die Logistik-Meisterleistung: Extra-Transporter, Nachtflug, zwei Physios, die sich um die Beine des Olympiasiegers kümmerten, während er selbst noch die Schneekristalle aus den Haaren schüttelte. Sportlich lief es trotzdem rund – bis eben zum letzten Meter.

Godon nutzt den zögern des windes

Godon nutzt den zögern des windes

Die letzten 600 Meter in Guíxols führen leicht bergauf, ein kurzer Linksknick folgt. Godon wartete dort im Windschatten von Matteo Jorgenson, Evenepoel startete aus fünfter Position zu früh. Der Franzöger spürte die Lücke, schob sich durch und warf den Ellbogen raus – nicht unfair, aber entscheidend. 3:21:52, gleiche Zeit, andere Platzierung.

Florian Lipowitz, der zweite deutsche Hoffnungsträger im Dress des deutschen Rennstalls, verlor auf der letzten Anstiegsrampe 14 Sekunden und rollte als 56. ins Ziel. Sein Programm: Catalunya als harte Schulbank für die Ardennen, nicht für das Podium.

Henri uhlig profitiert vom chaos

Henri uhlig profitiert vom chaos

Der 24-jährige Berliner schob sich wie ein Geist durchs Feld. Während die Grossen ihre Sprintzüge probten, hielt sich Uhlig in der dritten Linie, sparte Energie und schloss mit nur sieben Sekunden Rückstand als bester deutscher Fahrer auf Rang acht ab. Eine Zahl, die seinen Vertrag bei Tudor Pro Cycling wertvoller macht als jede Powerpoint-Präsentation.

Die nächsten Tage versprechen noch heissere Luft. Jonas Vingegaard trainierte im Februar auf den Kanaren mit 6,2 Watt pro Kilo – und das bei 30 Stunden Wochenleistung. Oscar Onley, der Schotte, der 2024 Lipowitz auf Rang vier folgte, schwor sich, diesmal nicht den Anschluss zu verlieren. Und Evenepoel? Der fliegt heute Nacht nach Girona, liest die Strava-Segmente der Gegner und wird am Dienstag in Banyols wieder angreifen. Denn wer einmal Silber kostet, will Gold schmecken.