Swiatek sagt fissette den kampf an – und stellt alles auf den kopf
Iga Swiatek lässt Wim Fissette links liegen. Nach dem Rauswurf in Miami reicht’s der Polin: Coach weg, System neu, Hoffnung auf alles. Die Entscheidung fällt mitten in der Nacht, per Instagram-Post, zwei Sätze, keine Träne. „Ich gehe einen anderen Weg“, heißt es. Punkt.
Ende einer liaison, die nur zwölf monate hielt
Die Zusammenarbeit begann im Oktober 2024 mit Champagner und dem Traum, den fehlenden Wimbledon-Titel zu holen. Fissette lieferte – im Juli 2025 stand Swiatek auf dem Centre Court, Trophäe in der Hand, Tränen im Arm. Drei Turniersiege gesamt, dazu der Rücktritt von Serena Williams als Berater. Doch 2026 beginnt mit Stottern. Viertelfinale Australien, Achtelfinale Doha, zweite Runde Miami. Kein Halbfinale, Rang drei statt eins. Die Zahlen sind lauter als jede Pressekonferenz.
Die Niederlage gegen Magda Linette war mehr als ein Bad-Day. Swiatek schlug 29 Winner, aber 41 Fehler. Im Tiebreak des zweiten Satzes schoss sie einen Return zwei Meter lang. Danach sprach sie von „kompliziertem Kopf-Tennis“. Das klang nach Frau, die sich selbst nicht mehr erkennt. Fissette versuchte, den Schläger zu entschärfen, die Aggression zu dosieren. Swiatek aber braucht Druck, nicht Pause. Ihr Vater Tomasz telefonierte in den frühen Morgenstunden, die Mutter war schon im Flieger nach Warschau. Die Trennung war keine Frage mehr, sondern eine Frage des Tages.

Keine neue nummer eins – aber ein neues gesicht im team
Wer folgt? Der Pole Dawid Celt, langjähriger Sparringpartner, soll interimsmäßig ran. Celt kennt Swiateks Rhythmuskopfschütteln, er weiß, wann sie zwölf Bälle am Stück cross slappen will, um dann doch inside-out zu gehen. Ob er langfristig reicht, entscheidet sich auf Rasen. Wimbledon 2026 steht in neun Wochen, dort verteidigt Swiatek 2000 Punkte. Verliert sie früh, rutscht sie womöglich aus den Top Ten. Das wäre für eine Spielerin, die 2023 noch 37 Matches in Serie gewann, ein Erdbeben.
Die Konkurrenz schläft nicht. Coco Gauff hat ihren Slice verbessert, Elena Rybakina serviert 200 km/h mit zweitem Aufschlag. Aryna Sabalenka trainiert in Monte Carlo mit Schwerketten am Bein. Swiatek aber muss erst einmal sich selbst finden. Sie fliegt nach Rzeszów, zu ihrer Großmutter, die früher selbst auf dem Damen-District team spielte. Dort gibt es kein Fitnesszentrum, nur einen roten Sandplatz hinter dem Haus und eine Katze, die die Bälle apportiert. Vielleicht ist das der erste Schritt: weg von der Analyse, zurück zum Schlaggefühl.
Die Trennung von Fissette ist kein Rückschritt, sondern ein Reset. Swiatek hat nichts zu verschenken, aber alles zu gewinnen. Wenn sie in Paris 2026 das Achte holt, redet keiner mehr über Miami. Dann redet alle nur über das Comeback – und darüber, dass manchmal erst der Abschied den nächsten Sieg einläutet.
