G2 zerplatst beim first-stand-finale – blg schreibt chinesische euphorie

G2 Esports stand einen Satz von der historischen Sensation entfernt, doch stattdessen kullern bei den Europäern nur noch bittere Pixeltränen. Das 1:3 gegen Bilibili Gaming im Finale des League-of-Legends-First-Stand-Turniers war nicht nur eine Niederlage, sondern ein Schlag ins Kontor jener Fans, die seit dem 3:0 gegen Gen.G am Samstagabend wieder daran glaubten, dass der Westen den Osten schlagen kann.

Der kurze traum vom zweiten msi-moment

Die Zahlen lagen auf dem Tisch: Erst einmal – 2019 – hat ein westliches Team ein internationales LoL-Turnier gewonnen, und dieses eine Mal war G2 selbst. Drei weitere Siege, so die Rechnung, und das Déjà-vu würde Realität. Doch nach dem souveränen Map-1-Gewinn schalteten die Chinesen einen Gang höher, erzwangen einen frühen Baron's Rush und rissen Caps und Co. mit jedem Drake mehr aus dem Rhythmus. Die goldene Mid-Season-Invitational-Trophäe bliet damit wieder asiatisch – und Europa schaut in die Röhre.

LoL-Esports funktioniert wie ein Pendel: Seit 2019 schlägt es unweigerlich Richtung LPL und LCK zurück. BLG, in der heimischen Liga bereits ein Monster, zeigte, warum chinesische Teams auf Best-of-Five-Ebene so gefährlich sind: Sie bestrafen den kleinsten Fehler sofort und übersetzen einen einzigen Pick in einen Schneeballeffekt. G2 hatte in Spiel zwei noch 2 k Drake Stacks auf der Habenseite – zehn Minuten später stand es 0:3 in Kills und 3 k Gold hinten. Die Power-Play-Phase der Asiaten ist längst keine Phase mehr, sondern ein Dauerzustand.

Caps

Caps' mikro gegen elk's makro – das duell, das das finale entschied

Rasmus „Caps“ Winther zeigte mit Azir und Ahri glänzende Handspeed-Nummern, doch BLG-Bot-Laner Elk antwortete mit perfekter Map-Kontrolle. Er positionierte sich so, dass G2 jedes Mal die Wahl hatte: Entweder wir laufen in einen Hextech-Drake-Zwischenfall oder wir verlieren den Baron's Buff. Die Antwort war in drei von vier Spielen identisch: Europa zögerte, China handelte. Die Baron-Trap in Spiel vier war nur die logische Konsequenz – ein 3:1-Sieg, der sich wie ein 3:0 anfühlt.

Für G2 bleibt die Erkenntnis: Man kann die Koreaner schlagen, aber solange die LPL ihre Import-Regel nicht lockert, haben europäische Teams nur ein Zeitfenster von etwa 20 Minuten, in dem sie das Spiel kippen müssen. Verpasst man es, kommt der chinesische Overdrive – und der endet selten mit einem Happy End für den Westen.

Die Trophäe fliegt nach Shanghai, G2 fliegt nach Berlin – und mit ihr die Erkenntnis, dass 2019 keine Blüte war, sondern eine Ausnahme, die nur einmal im Jahrzehnt blüht.