Ev zug zieht im play-in-hinspiel mit einem blitz die schneidbrenner

EV Zug schlägt Rapperswil-Jona Lakers 5:2 und nimmt nicht nur zwei Tore Vorsprung mit ins Rückspiel – er erinnert die ganze Liga daran, warum er im Frühjahr zur Elite zählt.

Ein system, das funktionierte wie geschmierte zahnräder

Die Partie war kaum fünf Minuten alt, da hatte Mike Künzle schon alles gesehen. Sein Blick schweifte über das Eis, die Schultern entspannt. „Wir haben alle systemtreu gespielt“, sagte er später, und man glaubte ihm jede Silbe. Die Zuger blockierten 23 Schüsse, gewannen 62 % der Bullys, jagten den Puck wie ein Rudel, das den Geruch von Blut in der Nase trägt. Der Coach sprach von „Erlösung“ – nicht wegen des Resultats, sondern weil seine Mannschaft endlich wieder die Marke EV Zug war: laut, schnell, gnadenlos.

Den Knackpunkt lieferte das Mitteldrittel. Als St. Gallen nach zwei schnellen Gegentoren auf 2:2 herankroch, schwante dem Fanblock schon das Üblicke: die berüchtigte Zuger-Kurzschluss-Phase. Diesmal blieb sie aus. Künzle wechselte die Reihen, stellte die Center um, und binnen 73 Sekunden lag der Puck wieder im gegnerischen Netz. „Unkonzentriert“ nannte der Coach die Phase hinterher, doch das Adjektiv galt nur 120 Sekunden. Danach war die Ordnung wiederhergestellt.

Lakers stolpern über eigenes tempo

Lakers stolpern über eigenes tempo

Auf der Gegenseite wirkte Dominic Lammer wie ein Mann, der mitten im Satz vergessen hat, wofür er sich eigentlich entschuldigt. „Das darf in so einer Phase der Playoffs auf keinen Fall passieren“, wiederholte er drei Mal, als würde die Wiederholung das Geschehen rückgängig machen. Seine Lakers hatten das Tempo diktiert, bis sie plötzlich selbst davon überrollt wurden. Die Gegentore vier und fünf fielen aus dem Stand, nach individuellen Fehlern, die in der National League sofort als Katastrophen enden.

Die Zahlen sind gnadenlos: In den letzten zehn Minuten kassierte Rapperswil 75 % seiner gesamten Tore dieser Serie. Die Scheibenführung brach um 34 % ein, die Passquote fiel auf 56 %. Wer so spielt, verliert nicht nur ein Spiel – er verliert die Kontrolle über seine eigene Geschichte.

Ein vorsprung, der mehr als zwei tore wert ist

Ein vorsprung, der mehr als zwei tore wert ist

Mit dem 5:2 im Gepäck reist EV Zug ins Rückspiel – statistisch ein Fast-Death-Sentence für den Underdog. In den letzten zehn Play-in-Jahren drehten Teams mit zwei Toren Rückstand nur einmal die Serie. Die Lakers brauchen also nicht nur ein Wunder, sie brauchen eine andere Liga. Künzle weiß das. Er wird seine Spieler daran erinnern, dass das nächste Spiel erst nach 60 Minuten endet. Aber er wird auch wissen, dass die Luft schon jetzt dünner wird.

Am Dienstag in Rapperswil wird die Scheibe um 19.45 Uhr fallen. Bis dahin hat Lammer 48 Stunden Zeit, seine Mannschaft wieder aufzurichten – oder die Saison endet vorzeitig im eigenen Stadion. Die Uhr tickt. Und sie tickt laut.