Böller trifft torhüter wienand: 3. liga spiel kurz vor abbruch
Ein Knall, ein Schrei, dann Stille. Rot-Weiss Essens Schlussmann Felix Wienand klappte in der 53. Minute gegen Waldhof Mannheim am Boden zusammen, neben ihm qualmte der schwarze Krater eines Böllers. Der Fäustling klebte an seiner linken Hand, die sich fest an den Helm drückte. Er hatte den Splitterregen buchstäblich mitbekommen.
Die sekunden der angst im stadion an der hafenstraße
Schiedsrichter Lennart Kernchen reagierte sofort, schickte beide Teams in die Kabine und sammelte die Fakten. Die Bilder zeigten Wienand, wie er sich auf dem Rasen kriechend die Ohren hielt – ein Bild, das die Debatte über Sicherheit in den Stadien der 3. Liga sofort wieder entfachte. Erst 43 Minuten später setzte Kernchen das Spiel fort, aber ohne den 24-Jährigen, der ins Universitätsklinikum Essen gebracht worden war.
Die erste Diagnose des Klinikums bestätigt den Verdacht: Knalltrauma und akute Belastungsreaktion. Der Knall war so heftig, dass Mitspieler Marcel Appiah sich umdrehte und mit offenem Mund stehen blieb. „Es war kein Feuer, es war eine Explosion“, sagte er nach Abpfiff, und man hörte, wie sehr ihm die Worte im Hals stecken blieben.
Der Verdacht richtet sich auf Gästeblock-Ultras. Eine Handy-Videoaufnahme zeigt, wie ein schwarzer Gegenstand aus dem Waldhof-Abschnitt segelt und erst auf dem Rasen zischt, dann detoniert. Die Polizei Essen leitete ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein. Für Waldhof droht ein Zuschauerausschluss, für Rot-Weiss ein Nachholtermin, der den ohnehin engen Spielplan weiter verdichtet.

Was das bedeutet – für wienand, für die liga, für den sport
Tino Casali, eigentlich zweiter Mann, sprang ein und hielt den 1:0-Sieg fest. Doch die Frage, die durch die Kabine ging, war: Wann ist das nächste Mal so etwas passiert? Die 3. Liga kämpft seit Jahren mit Pyro-Problemen, doch diesmal ist kein bengalisches Feuer, sondern ein Sprengkörper das Thema. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) kündigte an, die Sicherheitskonzepte aller Stadien bis zur kommenden Woche zu prüfen.
Trainer Uwe Koschinat stand nach dem Spiel vor der Mischzone, die Stimme heiser vom Brüllen. „Wir reden hier über einen Menschen, nicht über drei Punkte“, sagte er und schlug dabei so heftig mit der Hand auf das Interview-Pult, dass das Mikrofon wackelte. Für Wienand beginnt nun eine Reha, die vielleicht Wochen dauert. Für die Liga beginnt eine Zäsur, die endlich Fragen stellt – nicht nur nach dem Warum, sondern nach dem Wie: Wie konnte eine Sprengkapsel ins Stadion gelangen, obwohl Taschenkontrollen und Metalldetektoren Standard sind?
Die Antwort liegt noch im Ungefähren, die Wut ist greifbar. 14.312 Zuschauer schauten betreten Richtung Ausgang, einige sangen noch das RWE-Lied, doch die Melodie klang diesmal nicht nach Siegesgewissheit, sondern nach einem Grollen, das in den Ohren der Spieler noch lange nachhallen wird.
