Koschinat rastet nach rwe-pleite: „wenn ich über diesen kram rede, wird’s nur schlimmer“

Rot-Weiss Essen schläft wieder einmal auf der 1:0-Führung ein, kassiert zwei Gegentore und verpasst den Sprung an die Spitze. Uwe Koschinat bleibt nach dem Abpfiff allein auf der Bank sitzen – und weiß: Diese Saison hat einen hässlichen roten Faden.

Ein traumstart, der in ein albtrauma kippt

Torben Müsel trifft nach fünf Minuten, der Hafenstraße drohnt es, alles scheint bereit für den Big-Points-Abend. Dann passiert das, was in dieser Spielzeit schon zu oft passiert ist: RWE vertändelt sich selbst. Die Lücken zwischen Mittelfeld und Abwehr werden größer, die Zweikämpfe später, Saarbrückens Pick, Multhaup und Brünker tanzen durch den Strafraum. 2:1 zur Pause – und die Partie ist gedreht.

Koschinat braucht keine 30 Sekunden, um den Kern zu benennen: „Wir haben unseren eigenen Angriff nicht konzentriert in den Strafraum gebracht.“ Die Worte klingen wie ein gebrochenes Rekord, er hat sie schon nach Aachen, schon nach Freiburg II, schon nach Unterhaching gesagt. Essen erzeugt xG-Werte wie ein Top-Team, bringt aber nur ein Mittelfeld-Konto zusammen. Der Trainer zählt auf: „Drei große Kopfbälle, zwei freie Einschussmaler, ein Pfosten – und kein Tor.“

Die szene vor dem 1:2 – ein foul, ein vorteil, ein kollaps

Die szene vor dem 1:2 – ein foul, ein vorteil, ein kollaps

Jannik Hofmann tritt Pick um, Schiedsrichter Martin Wilke winkt ab. Was danach folgt, ist ein Lehrstück darüber, wie man eine Führung nicht über die Zeit bringt: Keiner rennt mit, keiner attackiert den Ballführenden, Multhaup schiebt aus zwölf Metern ein. Koschinat schüttelt den Kopf: „Wir kommen nicht mehr mit der nötigen Geschwindigkeit hinter den Ball. Das ist nicht das erste Mal.“

Die Statistik gibt ihm recht. Acht Mal führte RWE in dieser Saison zur Pause, nur vier Mal hielten sie die drei Punkte fest. „Vielleicht fehlt genau dieser Faktor, um ganz vorne wegzulaufen“, sagt der 54-Jährige. Er spricht vom „Totmachen“ eines Spiels, doch sein Team scheint diesen Befehl immer wieder als Einladung zum Nachlassen zu missverstehen.

Kopf hoch – oder endgültig weg?

Kopf hoch – oder endgültig weg?

Die Frage, ob die vergebenen Chancen sich in den Schädeln festfressen, wischt Koschinat mit einer Mischung aus Sarkasmus und Erschöpfung beiseite: „Umso häufiger ich über so einen Kram quatsche, desto mehr.“ Es klingt wie ein Mann, der weiß, dass Psychotalk nur dann hilft, wenn die Grundaufgaben stimmen – und die stimmen gerade nicht.

Draußen auf dem Platz stehen ein paar Anhänger, schimpfen, aber sie bleiben. Sie wissen: Der Rückstand auf Energie Cottbus beträgt nur zwei Punkte, drei Spiele sind noch Zeit. Nächste Woche gastiert der VfB Stuttgart II an der Hafenstraße, während Cottbus beim MSV ran muss. Die Mathe ist simpel, die Psyche kompliziert.

Koschinat packt seine Unterlagen zusammen, blickt kurz zurück auf den grünen Kasten. „Wir müssen wieder vom Jäger zum Gejagten werden“, sagt er. Die Wahrheit klingt hinterher: Erst müssen sie lernen, nicht mehr das eigien Bein zu treten.