Dortmund stoppt kölns samstag-fluch und setzt neuen akzent im titelrennen
Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – Es ist 88 Minuten gespielt, der altehrwürdige RheinEnergie-Tank dampft noch einmal hoch, und plötzlich steht 1:2 auf der Anzeigetafel. Der 1. FC Köln hat den Anschluss gefunden, doch die letzten fünf Minuten plus Nachschlag reichen nicht, um Borussia Dortmunds Siegesserie zu stoppen. Nach drei sieglosen Pflichtspielen kehrt der BVB auf die Siegerstraße zurück – und das mit einer Leistung, die zwischen souveräner Kontrolle und kurzem Schreckmoment schwankt.
Guirassy und beier schießen köln die luft ab
Die Partie beginnt wie ein Kölngeständnis: Lukas Kwasniok rotiert dreifach, bringt Johannesson, El Mala und Debütant Niang – und sieht, wie seine Mannschaft in den ersten 15 Minuten alles gibt, nur um danach komplett die Linie zu verlieren. Die Dortmunder, bei denen Niko Kovac auf Can (Kreuzbandriss) und drei Bankdrücker verzichten muss, wirken zunächst nur in Phasen präsent, bis Serhou Guirassy in der 16. Minute die erste echte Lücke nutzt. Ein Kopfballverlängerungsfehler von Ache landet bei Jamie Beier, dessen Kopfball-Verlängerung Guirassy mit dem Stretch-Bein über die Linie drückt – 0:1, erste Kölner Kehrtwende.
Kurz vor dem Seitenwechsel erhält die Partie ihre zweite Zäsur: Jeff Chabot tritt Beier mit offener Sohle auf die Achillessehne, Daniel Siebert korrigiert Gelb nach VAR-Check auf Rot. Köln muss mit zehn weiterspielen, die 45.000 im ausverkauften Stad ahnen, dass der Samstagabendfluch fortbestehen wird.

Mit einem bein in der kabine, mit dem anderen im sperrgebiet
Kwasniok stellt um, bringt Özkacar für Johannesson, doch die Kölner Drangphase nach Wiederanpfiff dauert nur zehn Minuten. Gregor Kobel pariert gegen Kaminski, Julian Ryerson klärt Niangs Nachschuss auf der Linie – und dann schlägt Dortmund erneut zu. Beier tankt sich nach Brandt-Doppelpass links in den Strafraum, visiert das lange Eck an und trifft zum 2:0. Die Partie ist gelaufen, das Stadion verstummt, nur die Gelbe Wand im Auswärtsblock singt.
Die Folgeminuten gleichen einer Übung im Schongang: Dortmund verwaltet, Köln findet kein Durchkommen, ein VAR-Foulelfmeter an Fabio Silva wird zurückgenommen, weil Özkacar zuvor den Ball traf. Die Partie plätschert, bis Denis Huseinbašić’ abgefälschter Schuss in der 88. Minute zum 1:2 verkürzt und die RheinEnergie erneut hochgeht. Kölns vehemente Elfmeterforderungen in der fünften Minute der Nachspielzeit bleiben unbelohnt – Siebert und VAR lassen ab, der Schiri pfeift ab.
Fazit: Der BVB springt vorerst auf Platz zwei, Köln bleibt Siebter – und wartet weiter auf den ersten Samstagabend-Sieg. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 1,95 zu 1,14 xGoals, 61 % Ballbesitz, nur vier Gegenecken. Der Sieg ist verdient, auch wenn das Schlusslicht noch einmal zittert. Nächste Woche empfangen die Schwarz-Gelben den FC Augsburg, Köln reist zum HSV – und hat im achten Anlauf die Chance, den Fluch zu brechen. Ob es klappt? Die Wette läuft gegen die Zeit – und gegen die Geschichte.
