Pirovano rast die 124-mal-fluch zu asche – und klaut goggia die krone

Laura Pirovano hat das Unmögliche rausgeschnitten: zwei Abfahrtsiege innerhalb von 24 Stunden, nachdem sie 124 Weltcup-Rennen lang nur die Rolle der ewigen Dritten gespielt hatte. Mit 0,01 Sekunden Vorsprung – zweimal – riss sie sich das rote Trikot vom Leib der Konkurrenz und schickt Sofia Goggia vor heimischem Publikum in die Bedeutungslosigkeit.

Von der statistikerin zur gejagten

Am Samstagmittag stand die 28-jährige Italienerin noch im Schatten der Langstrecken-Queen Sofia Goggia. Am Sonntagabrauch zählt sie 436 Disziplin-Punkte – 28 mehr als die bisherige Führungsspielerin Emma Aicher. Die Deutsche kam im zweiten Rennen nur auf Rang neun, musste zusehen, wie ihre Kristallkugel-Ambitionen schmolzen.

Pirovano selbst wirkt wie nach einem K.o.-Sieg: „Ich habe die Nacht kaum geschlafen, die Beine brannten. Aber im Mittelteil war ich bereit zu kämpfen – da habe ich mir gesagt: Jetzt oder nie.“ Der technische Passagenzug zwischen den Geschwindigkeitsgeraden war ihr Sprungbrett. Dort holte sie die Hundertstel, die zuvor immer fehlten.

Goggia kassiert, die saison spitzt sich zu

Goggia kassiert, die saison spitzt sich zu

Sofia Goggia, sonst das Abfahrts-Ass schlechthin, wurde nur Elfte. Ihr Kommentar nach dem Rennen klang wie ein Schulterzucken: „Set-up verändert, besseres Gefühl – morgen ist Super-G, da will ich zurückschlagen.“ Doch die Fakten sprechen gegen sie: Pirovano hat Momentum, Aicher Punkte-Rückstand. Und Lindsey Vonn? Die US-Superstarin hat ihre Saison abgebrochen – das Duell steht, das Finale in Méribel wird zur Entscheidungsschlacht zwischen zwei Europäerinnen.

Die Zahlen sind hart: Seit 2019 fuhr Pirovano 16 Top-Ten-Platzierungen ein, aber keine Siegerehrung. Jetzt hat sie in 48 Stunden doppelt kassiert – und die nächste Rechnung offen. Denn wer rotes Trikot trägt, wird zum Zielobjekt. Jede Fahrerin weiß: Ein Sturz reicht, um die Wertung zu kippen.

Bis zum Weltcup-Finale in Méribel sind es noch zwei Abfahrten. Pirovano reist als Favoritin, aber mit zerbrechlicher Führung. Die Jägerin ist zur Gejagten geworden – und das nach 124 Rennen Warten. Das ist keine Momentaufnahme, das ist die schnellste Rache, die der alpinen Weltcup je gesehen hat.