Flensburg wackelt eine halbzeit, dann schlägt grgic zu
36:28 gegen Leipzig – SG Flensburg-Handewitt bleibt dank einer späten Machtdemonstration auf Champions-League-Kurs. Die zweite Hälfte war ein Blitz, der den Tabellenzweiten vor 4.500 in der Flens-Arena wieder in Spur riss.

Marko grgic trifft neunmal und schreibt die wendung
18:18 zur Pause? Kein Grund zur Panik, sagte Trainer Maik Machulla, aber seine Stimme zitterte. Die SG hatte 30 Minuten lang das Tempo verloren, Leipzigs Kreisläufer Franz Semper traf aus allen Lagen – acht Treffer, so viele wie zuletzt vor zwei Jahren. Die Abwehr stand hoch, doch die Lücken blieben. Dänische Europameister wirkten plötzlich müde, Johannes Golla stemmte sich gegen den Kollektiv-Knoten, doch der Ball rollte nach vorn wie durch Zufall.
Dann kam Grgic. Der Rechtsaußen, erst vor Wochen aus Kiel zurückgeholt, nahm den Wurfarm wie einen Hammer. Drei Tore in 73 Sekunden, 23:19. Die Nordlichter schrien, Leipzig blinzelte. Was folgte, war kein Spiel mehr, sondern ein Abriss. Tor um Tor bohrte Flensburg die Klasse heraus, bis selbst Semper die Arme sinken ließ. 36:28 – ein Ergebnis, das die Liga wie ein Kommando zurückpfeift.
Die Zahlen sprechen hart: 39:9 Punkte, nur drei Zähler hinter Spitzenreiter Magdeburg. Die SG ist nicht mehr nur Verfolger, sie ist Anwärter aufs eigene Finale. „Wir haben die Erfahrung, die Breite, den Glauben“, sagt Grgic, noch sichtlich mitgenommen. Der Glaube, das ist das neue alte Stichwort in Flensburg, wo seit 2014 kein Titel mehr stand. Die Champions-League-Gruppenphase ist Pflicht, doch der Blick richtet sich weiter.
Leipzig hingegen bleibt im freien Fall. 23 Spiele, Platz 17 – die rote Zone ist kein Fleck mehr, sondern ein Sarg. Trainer André Haber muss nach jedem Spiel die gleiche Frage beantworten, obwohl die Antwort längst auf dem Feld steht. Die SG zeigte ihm, wie schnell sich eine Saison drehen kann. Nur eben in die andere Richtung.
Machulla atmete tief durch, als die Sirene schrillte. Kein Jubel, nur ein Nicken. Er kennt die Mechanik dieses Wettbewerbs: Wer in der Rückrunde zögert, wird überrollt. Flensburg hat gezögert – und trotzdem gewonnen. Das macht sie gefährlich. Nächste Woche geht’s nach Berlin, zu den Füchsen. Dann zählt kein Halbzeit-Wackeln mehr.
