Dortmund schnappt sich den vbl-titel – und keiner hatte es kommen sehen
Kaum lag der Controller auf dem Tisch, da flutschte das Handy schon in den Flugmodus. Dennis Malcherczyk wollte die Nachrichtenlawine nicht live miterleben, er wollte sie sich später in Ruhe reinziehen – wie eine heimliche Siegesparty im Dunkeln. Der 23-Jährige hatte Borussia Dortmund soeben die erste eFootball-Meistersse der Klubgeschichte beschert, und das, obwohl er selbst zwei Tage zuvor noch keinen Pfifferling auf den Titel gesetzt hatte.
Revierderby-zündung und leipziger ausrutscher öffnen die tür
Am Samstagabend klickte es im Kopf des Mittelfeldspielers. 6:4 gegen Bastian Rupsch im Schalke-Duell, dazu die Nachricht, dass Titelverteidiger RBLZ Gaming schon gegen Hoffenheim rausflog. „Da wusste ich: Wenn wir heute unseren Pfiff haben, ist alles drin“, sagt Malcherczyk – und behielt recht. Am Sonntag schraubte er sich zum Matchwinner: 5:2 gegen Paderborn, 4:3 im Finale gegen Bayern-Furkan Kayacik. Die Schale war mehr als virtuell, sie war greifbar.
Francesco Allocca, ansonsten der Konstante der Saison, schwankte in der Endrunde. Im zweiten Finalspiel saß er neben seinem Partner und litt mit jedem Pass. „Ich habe ihm einfach blind vertraut. Er sollte nur seinen Instinkt spielen lassen – und hat es rausgerissen“, sagt Allocca. Der Italienische Nationalspieler sprach, als wäre er selbst auf dem Rasen gestanden, nicht im Gaming-Stuhl.

Der moment, in dem ‚denninho‘ merkte, dass er alles kann
Den entscheidenden Selbstvertrauensschub lieferte das Viertelfinale gegen Elversberg. Nach dem 3:5 im ersten Match drehte Malcherczyk auf, gewann das Rückspiel und das deciding game. „Da hab ich gedacht: Okay, selbst wenn ich zurückliege, ich kann das Spiel noch drehen. Egal, wie der Stand ist.“ Diese Mentalität zog sich wie ein roter Faden durchs Wochenende und kulminierte in der 88. Minute des Finalrückspiels, als seine Einwechslung von Youssoufa Moukoko das 3:2 besiegelte.
Die Borussen feiern damit den größten Erfolg seit ihrem Eintritt in die Virtual Bundesliga vor zweieinhalb Jahren. Sportdirektor Sebastian Kehl schickte noch während des Interviews eine Sprachnachricht: „Ihr habt Geschichte geschrieben – und das mit Stil.“ Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Malcherczyk grinste nur: „Jetzt fehlt nur noch das echte Double.“ Das Handy bleibt vorerst im Flugmodus, die Nacht wird lang, der Kater virtuell, der Stolz riesig.
