David di donatello 2026: sossai fegt ab, sorrentino geht leer aus
Cinecittà bebt, Rai 1 zittert: Francesco Sossai räumt mit „Le città di Pianura“ fünf Davids ab und lässt Paolo Sorrentino mit leeren Händen stehen. Die 71. Ausgabe der italienischen Film-Oscars wird zur Gala der Überraschungen – und zum Schaulaufen der Branche in Not.
Flavio insinna und bianca balti führen durch die nacht
Kurz nach der letzten Koffer-Deko von „Affari Tuoi“ startet das Spektakel. Moderator Insinna und Topmodel Balti stemmen sich gegen eine Show, die zwischen Steh-Ovationen und Steuer-Klage monotoner wirkt als ein 0:0 in der Serie C. Dennoch: Ihre Ansagen treffen den Nerv, denn jeder zweite Satz rüttelt am Tax-Credit-Schlauch, an Kriegs- und Streik-Realität.
Die 83-jährige Aurora Quattrocchi sprengt den Rahmen. Als sie für „Gioia Mia“ den David als beste Hauptdarstellerin erhält, bricht sie in Tränen aus – und das Publikum mit ihr. Ihre Dankesrede ist kein Script, sondern ein Gefühlsorkan. Kein Schnitt, keine Musik, nur pure Euphorie. Das Video geht binnen Minuten durch die sozialen Netze.

Roter teppich: arisa und de angelis entfachen blitzlichtgewitter
Links Arisa in tiefem Magenta, rechts Matilda De Angelis in schwarz-weißem Tailleur – dazwischen ein Meer aus Smartphones. Beide schaffen, was selbst Hollywood-Stars vermissen lassen: Sie lassen die Kameras tanzen. Claudio Santamaria setzt dagegen auf Radikal-Understatement: Ein schwarzer Einreiher, kein Accessoire, nur ein Blick, der sagt: „Ich bin hier, um zu gewinnen – oder abzuräumen.“ Letzteres bleibt ihm verwehrt.
Annalisa eröffnet mit einem Medley, das die Geschichte des italienischen Kinos in drei Minuten komprimiert. Ihre Stimme trägt, doch die Inszenierung wirkt wie ein Trailer ohne Film – schnell, laut, vergessen.

Die branche schreit, das publikum jubelt
70 Prozent der Produktionen hängen am Tax-Credit-Tropf, warfen Gewerkschafter vor der Show ein. Die Proteste bleiben friedlich, die Botschaft nicht: Ohne staatliche Hilfe droht dem italienischen Kino das Aus. Die Verleihung selbst kostet rund drei Millionen Euro – ein Betrag, für den man auch zwei Mittelbudget-Filme drehen könnte.
Doch die Nacht gehört Sossai. Sein Drama über die leeren Städte der Po-Ebene gilt als Sozialstudie und Liebesbrief zugleich. Die Jury würdigt „die ruhige Wut und die laute Poesie“ – und verweist Sorrentinos „La Grazia“ in die Bedeutungslosigkeit. Der Regisseur verlässt nach der letzten Kategorie still den Saal. Kein Wort, keine Geste, nur ein verschwundenes Lächeln.
Die Zahlen sprechen für sich: 24 Preise, 128 Nominierte, ein Sieger. Der Rest schaut in die Röhre. Für Sorrentino beginnt morgen die Nachlese. Für Sossai beginnt ein neues Kapitel. Und für das italienische Kino? Es wartet auf das nächste Foul, den nächsten Freistoß, den nächsten David.
