Diomande spielt mit schmerzen – leipzigs sieg wird zur zitterpartie

Ein 5:0-Kantersieg, der wie ein Freudentanz aussah, endete mit angehaltenem Atem: Yan Diomande, Leipzigs 19-jähriger Flügelstürmer, tanzte auf dem Rasen, aber seine linke Schulter zitterte mit jedem Schritt. Noch in der ersten Halbzeit griff er sich nach einem Zweikampf an die Körpermitte, ging ohne Fremdeinwirkung zu Boden – und schrie. Die TV-Mikrofone fingen die Geräusche ein, die Seitenlinie versteifte sich. Dann stand er auf, legte die Vorlage zum 4:0 auf und köpfte in der Nachspielzeit das vermeintliche 5:0, das der VAR wegen Abseits zurücknahm. Die Schulter baumelte dabei wie ein lose montiertes Bauteil.

Die zahlen, die rb nervös machen

Die zahlen, die rb nervös machen

10 Tore, 6 Vorlagen – das ist die Bilanz des Ivorers in seiner ersten Bundesliga-Saison. Ohne ihn sinkt die Angriffs-Dichte der Sachsen um 23 Prozent, das zeigt die interne Analyse. Mit Blick auf das Rennen um die Champions-League-Plätze und die WM in den USA, Mexiko und Kanada ist jeder Tag, an dem Diomandes Schulter nicht einhundertprozentig funktioniert, ein Tag, an dem Sportdirektor Rouven Schröder seine Kaffeetasse öfter abstellt als trinkt. Die Elfenbeinküste hat in Gruppe E bereits das Duell mit Deutschland im Blick; Diomande ist dort längst Sturm-Option Nummer eins.

In der Kabine fiel nach Abpfiff erst mal Stille. Spieler, die eben noch Jubelposen zeigten, schauten auf den Monitor, der Diomande mit Eisbeutel zeigte. Ole Werner tauschte ihn in der 66. Minute aus, die Schulter hing, das Gesicht war eine Grimasse. „Wir warten auf die MRT-Bilder“, sagte der Coach knapp, während die Mediziner bis tief in die Nacht arbeiteten. Der Klub will Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden, der Spieler will fliegen – nach Afrika, zur Nationalelf, zur WM-Generalprobe.

Die gute Nachricht: Die erste Befundung spricht von keinem Riss, nur von einer Überstreckung. Die schlechte: Eine Schulter, die zweimal in 37 Minuten kapituliert, kann auch in der dritten, vierten, fünften Belastungssituation nachgeben. Und Leipzig spielt in den nächsten 18 Tagen sieben Pflichtspiele. Die Frage ist nicht, ob Diomande will – er will immer. Die Frage ist, wie lange der Körper mitspielt, wenn der Nerv auf 90 Minuten Dauerfeuer steht.

Für den Gegner ist die Lektüre eindeutig: Fallt ihm auf die Schulter, und ihr fallt ihn aus dem Rhythmus. Für RB ist sie es auch: Schützt ihn, oder ihr verliert euren Tempomacher. Die Bundesliga endet am Wochenende nicht, sie beginnt erst richtig. Und Diomandes Schulter schreibt das nächste Kapitel – mit oder ohne Schmerztabletten.