Lungenkrebs bei jungen: gesunde ernährung könnte überraschungsfaktor sein

Ein Schock für die Gesundheitswelt: Lungenkrebs betrifft zunehmend junge Menschen, die nie geraucht haben. Was lange Zeit als Krankheit der Raucher galt, zeigt nun ein überraschendes Bild – und gesunde Ernährung könnte hier eine unerwartete Rolle spielen.

Neue studie wirft fragen nach pestiziden und hormonen auf

Neue studie wirft fragen nach pestiziden und hormonen auf

Die jüngste Untersuchung, vorgestellt auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research, analysierte 187 Fälle von frühzeitig diagnostiziertem Lungenkrebs bei Personen unter 50 Jahren. Das Ergebnis: Viele dieser Betroffenen gaben an, eine Ernährung zu führen, die deutlich gesünder ist als der amerikanische Durchschnitt. Sie konsumierten mehr grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Obst und Vollkornprodukte – eine Ernährungsweise, die man eigentlich mit Gesundheit assoziieren würde. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Die Autoren des Studienbetriebs betonen entschieden: Eine gesunde Ernährung verursacht keinen Krebs. Vielmehr vermuten sie, dass andere Faktoren im Spiel sein könnten – insbesondere Pestizide und andere Umweltgifte, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. „Die Arbeit, die vor uns liegt, ist enorm“, erklärt Onkologe Jorge Nieva vom USC Norris Comprehensive Cancer Center. Die Forschung soll nun zeigen, welche Metaboliten von Pestiziden in den Körpern der Krebspatienten gefunden werden und wie bestimmte Chemikalien, die in der Landwirtschaft verwendet werden, diese beeinflussen könnten.

Aber das ist noch nicht alles. Eine weitere bemerkenswerte Entdeckung betrifft junge Frauen: Der Anteil derer, die in der Vergangenheit orale Kontrazeptiva eingenommen haben, war unter den Lungenkrebspatientinnen deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung. In einigen Gruppen waren es sogar fast 80 Prozent. Auch hier gilt: Kausalität ist noch nicht bewiesen, aber die Ergebnisse eröffnen neue Forschungsansätze. Ein Zusammenhang mit Hormonen scheint möglich. Einige der Tumore in dieser Patientengruppe weisen häufiger Östrogenrezeptoren auf, und bestimmte Pestizide können das endokrine System stören.

Skeptiker mahnen zur Vorsicht. Die Studie ist beobachtungsbasiert und noch nicht in einer Fachzeitschrift begutachtet. Es handelt sich lediglich um statistische Zusammenhänge, nicht um direkte Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Dennoch sollte diese Entwicklung alarmieren. Es wäre ein fataler Fehler, auf eine ausgewogene Ernährung zu verzichten, nur weil eine Studie einen möglichen Zusammenhang mit Pestiziden andeutet. Die klare Verbindung zwischen schlechter Ernährung, Übergewicht und anderen Krebsarten bleibt bestehen.

Die Wahrheit ist: Wir stehen erst am Anfang des Verständnisses dieser komplexen Zusammenhänge. Die Forschung muss nun entschlossen weitergehen, um die Rolle von Pestiziden, Umweltgiften und hormonellen Faktoren bei der Entstehung von Lungenkrebs bei jungen, nicht-rauchenden Menschen zu ergründen. Es geht um die Gesundheit einer ganzen Generation.