Dfb-spitzentreffen am mittwoch: kompassmodell oder chaos – jetzt zählt jede stimme

Knackpunkt Mittwoch. In der Frankfurter DFB-Zentrale schlägt die Stunde der Wahrheit für die Regionalliga-Reform. Wer denkt, das Thema sei nur ein Flickenteppich aus Verbandspolitik, unterschätzt den Puls der Kurven. 14 Jahre Streit, fünf Staffeln, ein Aufstiegsrecht – und ein Kompassmodell, das plötzlich Stadien voll bekommt. Die Frage ist nicht mehr, ob sich etwas ändert, sondern ob die Machthaber mitziehen oder gegen ihre eigenen Vereine arbeiten.

Vesper zieht den stecker – und trifft die regionalchefs ins mark

Dr. Michael Vesper, Aufsichtsratschef der Reform-Arbeitsgruppe, sprach am Wochenende einen Satz, der in den Büros von Peter Frymuth, Christoph Kern und Ralph-Uwe Schaffert noch nachhallt: „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Gemeint: Die Präsidenten haben die Gruppe ins Leben gerufen – jetzt sollen sie liefern, statt hintenrum zu torpedieren. Die Recherchen von Sport IM OSTEN zeigen, dass genau das passiert. Frymuth (WDFV) schickte zwar eine Mail an seine Klubs, in der er deren Wunsch nach „Meister steigt auf“ als „nachvollziehbar“ bezeichnet, doch in der Arbeitsgruppe blockiert sein Vertreter weiter. Eine Haltung, die Vesper offenbar satt hat.

Der Druck kommt nicht von oben, sondern von unten. In Jena, Burghausen, Magdeburg und Köln hängen Spruchbänder: „Vier Himmelsrichtungen – ein Ziel“. Selbst der FC Bayern, sonst in Ligenfragen wortkarg, ließ am Samstag gegen Union ein Banner ausrollen: „BFV-Privileg abschaffen!“ Die Botschaft ist unmissverständlich: Die Meister müssen aufsteigen, egal ob sie in Schweinfurt, Dortmund oder Neubrandenburg jubeln.

Bayern und südwesten stehen allein – und das merken ihre klubs

Bayern und südwesten stehen allein – und das merken ihre klubs

Christoph Kern, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, hält an der eigenen Staffel fest. Argument: Stabilität. Gegenrechnung: Sein Meister darf nur alle drei Jahre aufsteigen, während der Südwesten jährlich zwei Tickets zieht. Das nennen Fans konstruierte Ungleichheit. Selbst Wacker Burghausens Geschäftsführer Andreas Huber, sonst kein Mann für Revolutionsrhetorik, schloss sich der Initiative an. „Wir wollen keine Extrawurst mehr, wir wollen Gleichbehandlung“, sagt er im Gespräch. Der FC Bayern zweifelt offiziell an der Kompetenz der BFV-Führung, die DFL pocht auf die U21-Liga mit nur noch einem statt drei überalten Profis pro Spiel – ein Zugeständnis an die Südwest-Klubs, die ihre Zweitvertretungen nicht verlieren wollen.

Dort genau liegt der Haken. Martin Pieckenhagen, neuer Sport-GF der Offenbacher Kickers, fordert eine „komplexe Lösung“. Gemeint: Wenn die U23-Bundesliga zur U21 wird, müsse man auch die Regionalliga Südwest öffnen, damit keine Reservemannschaft abrutscht. Es ist ein Kompromiss, der nur funktioniert, wenn sich alle bewegen. Noch zögern Homburg, Kaiserslautern II und der gesamte Südwest-Verband. Carl-Zeiss-Jena-Präsident Ralph Grillitsch nennt das „unsolidarisch“. Die Zahlen geben ihm recht: 72 Klubs aus Nord, Nordost, West und Bayern haben sich für das Kompassmodell ausgesprochen, nur 18 im Südwesten sind offiziell dagegen.

Die uhr tickt – und der dfb droht ein imageschaden

Die uhr tickt – und der dfb droht ein imageschaden

Sportwissenschaftler Prof. Harald Lange warnt: „Ein Scheitern wäre ein massiver Vertrauensbruch.“ Er spricht von einem „Strukturfehler“, weil Machtlogik sportliche Leistung überlagert. Die Folge: Talente wandern ab, Fans boykottieren DFB-Kongresse, Sponsoren hinterfragen Milliarden-Deals. Die Logik ist simpel: Wer sportlich aufsteigt, darf nicht verwaltungsrechtlich abgeblockt werden.

Am Mittwoch wird entschieden, ob die Arbeitsgruppe ihren Vorschlag vorlegt oder erneut vertagt. Vesper kündigte an, bei Blockade „konsequent zu Ende zu denken“. Das kann bedeuten: Ein außerordentlicher DFB-Bundestag im Sommer, ein Votum ohne Rücksicht auf Landesverbände. Dann wäre das Kompassmodell Realität – ob mit oder ohne Bayern und Südwest.

Die Choreografien sind fertig, die Banderolen gerollt. Die Fans werden am Mittwoch vor dem Haus der Deutschen Fußball-Historie stehen – und die Delegierten wissen: Die nächste Saison beginnt entweder mit vier gerechten Staffeln oder mit einem Glaubwürdigkeitsruin, den man sich in Nyon und Zürich genau anschaut. Entscheidende Tage? Eine einzige Stunde wird reichen.