O'sullivan ballert 153 – und macht 147 zum fußnote

Ronnie O'Sullivan trat nur eine einzige Partie an, schon wiederholt sich die alte Frage: Gibt es in diesem Sport überhaupt noch ein Maß, das „The Rocket“ nicht neu misst? In Yushan schob er eine schwarze Kugel mehr als erlaubt – und schraubte das Snooker-Universum von 147 auf 153. Die Arena verstummte, dann riss sie sich gegenseitig die Lungen aus dem Leib.

Jamie burnetts 148er war gestern

Seit 2004 galt der Schotte als Unikat. Burnett hatte in einem Qualifikationsturnier eine Free-Ball-Situation genutzt und daraus 148 Punkte gebastelt. O'Sullivan lachte diesen Rekord nun mit einem einzigen Break weg. Die weiße Kugel schien an einer Schnur, die er allein hält. Nach dem Frame schüttelte Ryan Day nur den Kopf: „Ich war live dabei und kann trotzdem nicht glauben, was passiert ist.“

Die Rechnung dahinter ist simpler als ihr Ruf. Normalerweise endet ein Maximumbreak bei 147 Punkten, weil 15 Rot-Rot-Schwarz-Kombinationen plus die Farbreihe 27 weitere Punkte bringen. Die Free-Ball-Regel erlaubt es, eine zusätzliche Farbe statt einer Roten zu versenken – und genau diese schwarze Bonuskugel landete in der Tasche. 16. Rot statt 15, 16. Schwarz statt 15. Plus die obligatorische Farbreihe: 153. Fertig ist das neue Paradoxon.

Der mann, der rekorde als warm-up nutzt

Der mann, der rekorde als warm-up nutzt

Die Zahl 1000 wirft Schatten auf alle anderen. O'Sullivan hat vor zwei Jahren als Erster die vierstellige Century-Marke geknackt. Er besitzt die meisten Weltmeister-Titel der Moderne (7), die schnellste 147 (5:08 Minuten) und die meisten Maximums überhaupt (15). Jetzt also 153 – und die Karriereuhr tickt bereits 34 Jahre. „Ich weiß nicht, wie er das macht, aber er macht es eben“, sagte Steve Davis im BBC-Studio und klang wie ein Physik-Lehrer, der Einstein live sieht.

Die WPBSA wird das Break offiziell anerkennen, obwohl es außerhalb eines Ranglistenturniers entstand. Die Regel erlaubt Free-Ball-Punkte, also muss auch das neue Limit gelten. O'Sullivan selbst wischte die Hände an seinem Hoodie ab, als hätte er nur ein Bier geöffnet. „Cooler Moment, aber morgen ist Viertelfinale“, sagte er in sein Handy. Die Botschaft: Nächstes Opfer, bitte vorschieben.

Snooker-Fans wissen: Es gibt zwei Epochen. Vor Ronnie und mit Ronnie. Die 153 ist kein Rekord, sie ist eine Ansage. Und die Antwort der Konkurrenz dürfte in den Statistikbüchern verstauben – solange der Mann mit der Queue weiter das Spiel spielt, das andere erst erfinden müssen.