Neuer zögert: 40 jahre alt, 100 prozent saison – und jetzt?
Manuel Neuer wird 40, spielt wie 25 und sagt immer noch nicht, ob er weitermacht. Die Entscheidung soll nällen, wenn sein Knie nach dem Frühjahrstraining wieder geredet hat.
Freund wartet auf neuers bauch
Sportdirektor Christoph Freund klingt, als hätte er das Skript schon im Kopf: „Er hört in seinen Körper rein.“ Das ist keine Floskel, sondern eine Kampfansage an die Zeit. Denn wer einmal die Schulter an der Bande, das Kreuz in der Kabine und den Daumen im Training gebrochen hat, der weiß: Der Körper lügt nicht, er erzählt. Und Neuers Erzählung ist seit seinem Skiunfall ein Dauerkrimi. Die letzte Folge endete mit zwölf Bundesligaspielen ohne Gegentor – eine Serie, die selbst Oliver Kahn vor Neid erblassen lässt.
Freund sitzt in der Säbener Straße und redet lieber über Gefühle als über Verträge. „Wir wissen, wie er denkt“, sagt er, als hätte er Nacht für Nacht das gleiche Telefonat. Dabei ist die Lage kristallklar: Läuft Neuer bis Mai ohne Rückschlag, bekommt er ein Angebot, das sich selbst ein Scheich nicht ausschlagen würde. Bleibt die Patellasehne streikend, ist Schluss mit Lustig – und Sommer-Transfer-Saga Nummer zwölf beginnt.

Kompany lacht über die 40 – bis er an seine knie denkt
Vincent Kompany feiert am 10. April ebenfalls den runden Geburtstag. Der Trainer, der nie ein Tor hielt, aber 360 Mal ins Auslauf sprintete, weiß, wovon er spricht: „40 ist jung, wenn deine Knie nicht 39 sind.“ Die Ironie: Kompany musste mit 34 aufhören, weil seine Beine Streik angemeldet hatten. Neuer dagegen wirkt, als habe er neue Knie im Sonderangebot ergattert. Die Zahlen sprechen für sich: 88,3 % gehaltene Schüsse in dieser Saison, Rekordwert seit der Datenerfassung.
Doch hinter der Statistik lauert der April. Dreimal in Folge riss Neuer in dieser Phase der Saison Muskeln, Sehnen oder Bänder. Das ist kein Fluch, das ist ein Kalender. Deshalb sagt Freund: „Er wird auf uns zukommen.“ Gemeint ist: Wenn der April vorbei ist und Neuer noch ohne Eisbeutel trainiert. Dann erst beginnt die eigentliche Verhandlung – und die dauert in München selten länger als ein Elfmeter.
Die Wahrheit liegt im Trainingszentrum. Dort steht ein Torwart, der schon alles gewonnen hat, aber noch nichts verloren hat. Wenn er am Freitag die 40 kerzen auspustet, bläst er auch die Zweifel weg. Oder nicht. Entscheidend ist nicht das Datum, sondern der Moment, in dem der Schmerz kommt – und ob er wieder weggeht.