Dallmann zieht barcelona-karte: bayern will 1:7-schmach auslöschen

Linda Dallmann spricht offen über die 1:7-Blamage gegen Barcelona – und warum das Rückspiel im Oktober der beste Lehrplan war. „Wir sind nicht mehr dieselben“, sagt sie vor dem Champions-League-Halbfinale. Die Allianz Arena ist mit 26.000 Tickets ausverkauft, das Camp Nou wartet schon.

Die angst war ein lehrstück

Frauen-Bundesliga? Durchmarsch. Pokal? Souverän. Doch die CL-Gruppenphase nagte am Selbstbild. 0:4 nach 22 Minuten, 1:7 nach 90. „Wir haben uns gefragt, ob wir überhaupt europareif sind“, erinnert sich Dallmann. Antwort: Ja, wenn man bereit ist, zu leiden. Seitdem trainiert Bayern mit dem Ball, gegen den Ball und mit dem Gedanken an den Gegner, der alles kaputtmachen kann.

Trainer Alexander Straus setzte auf Videoanalyse in Dauerschleife. Eckbälle, Gegenpressing, Tempowechsel – alles in 0,25-facher Geschwindigkeit. Die Spieler nannten es „Barcelona-Modus“. Ergebnis: 13 Siege in Folge, nur zwei Gegentore. Die Defensive steht, das Mittelfeld kombiniert in Dreiecksformationen, die Sturmreihe um Lea Schüller und Pernille Harder schießt aus jedem Winkel.

Camp nou lockt mit rekordkulisse

Camp nou lockt mit rekordkulisse

Das Hinspiel am Samstag (18.15 Uhr) ist nur die Vorfreude. Das Rückspiel am 3. Mai im Camp Nou könnte die erste 90.000-Zuschauer-Frauenpartie Spaniens werden. Barcelona plant ein Tifo über drei Ränge, die katalanische Presse spricht schon vom „Clásico femenino 2.0“. Dallmann lacht trocken: „Umso lauter sie werden, umso besser hören wir unsere Kommandos.“

Die Münchner haben sich ein Punktesystem erarbeitet: intensive Laufwege geben Pluspunkte, Risikopässe in der eigenen Hälfte Minuspunkte. Wer am Ende der Woche auf plus 30 steht, darf das Spielgerät unterschreiben – ein Barça-Ball, der beim 1:7 verwendet wurde. Motivation pur.

Knackpunkt wird das Mittelfeldduell. Dallmann gegen Aitana Bonmatí, ein Kopf-an-Kopf-Rennen von zwei Spielerinnen, die beide über 12 km pro Partie laufen. „Sie ist die Lokomotive, ich muss die Weiche stellen“, sagt Dallmann. Ihre Zahlen des Sports: 78 % Zweikampfquote seit Februar, 91 % Passquote nach vorne. Aber sie warnt: „Statistiken kratzen nicht am Ergebnis, wenn wir fünf Minuten einschlafen.“

Bayern wird mit einer Mischung aus Manndeckung und Raumdeckung agieren. Harder rückt für defensive Standards auf die Sechserposition, Schüller startet als falsche Neun, um Barças Aufbaulinien zu sprengen. Straus nennt es „Flex-Press“, eine Formation, die sich innerhalb von drei Sekunden von 4-3-3 in 4-4-2 verändert. Die Spieler haben das System auf dem Trainingsplatz mit Schnellspieluhren geprobt – 8,7 Sekunden von Ballverlust zur Balleroberung, das ist das Ziel.

Die Stimmung ist angeheizt, doch die Führungsspieler halten die Gruppe auf dem Teppich. Kapitän Glódís Perla Viggósdóttir gab jedem Teamkollegin ein Armband mit der Aufschrift „1:7 – nie wieder“. Es ist aus den Netzen der damaligen Barcelona-Tore geflochten. Ein Symbol, das wehtut und wachhält.

Am Samstag wird klar, ob die Lehrstunde gefruchtet hat. Die Buchmacher sehen Bayern klar als Außenseiter, die Quote auf Weiterkommen liegt bei 3,75. Dallmann schmunzelt: „Perfekt. Je länger das Spiel geht, desto lauter wird die Quote kollabieren.“

26.000 Fans in der Allianz Arena, Millionen vor den Bildschirmen. Die Frauen von Bayern haben sich selbst ins Rampenlicht gelaufen. Keine Rede mehr von Angst, nur von Energie. Barcelona mag der Favorit sein, aber München trägt die Revanche in sich. Und Revanchen sind bekanntlich das sauberste Brennglas für Sportgeschichte.