Coletta rydzek rutscht weg, kläbo knallt aufs eis – drammen wirft zwei stars raus

Drammen – Ein Schicksalsschlag, zwei Namen, null Finals. Coletta Rydzek flog in der letzten Kurve wie ein Steinschlag ins Bande, Johannes Hösflot Kläbo schlug mit dem Hinterkopf auf dem Eis auf. Der norwegische Stadtsprint verlor vor eigenem Publikum zwei Hauptdarsteller – und lieferte die Bilder, die morgen noch die Runde machen.

Rydzeks unfallkaskade beginnt mit einem italienischen haken

28 Jahre alt, Olympia-Bronze im Teamsprint, in Lahti noch Podest – und jetzt Rang 26. Rydzek lag im Windschatten von Linn Svahn, als sich die Schwedin mit Iris de Martin Pinter verhakte. Svahn rutschte rüber, Rydzek sah die Katastrophe zu spät, konnte nicht mehr bremsen, touchierte das gestürzte Bein – und war selbst weg. «Ich hab nur noch Weiß gesehen», sagte sie später. Die Zeit: 3,14 Sekunden hinter Svahn, die trotz Sturz noch Zweite wurde. De Martin Pinter gewann trotz Schlingerkurs. «So eng war noch nie ein Sprint», sagt Schwedens Teampilot Jens Byggmark. «Die Kurve ist ein Kriegsgebiet.»

Laura Gimmler, Rydzeks Partnerin von Peking, fuhr sauber durchs Chaos und landete im Finale auf Platz fünf. «Ich hab mir gesagt: Rechts ran, Gas weg, und dann Vollgas wieder rein», lachte die 26-jährige Oberstdorferin. «Coletta anzurufen bringt nichts – sie ist eh schon sauer auf sich selbst.»

Kläbo fliegt über ogden – und die kristallkugel bleibt trotzdem seine

Kläbo fliegt über ogden – und die kristallkugel bleibt trotzdem seine

112 Weltcupsiege jagt der Norweger, aber Drammen wird keine Nummer 113. Bend Ogden rutschte in der Steigung weg, Kläbo – hinterher im Slipstream – kullerte mit voller Wucht über den Amerikaner. Kopf aufs Eis, Skis weg, Publikum stockt. Betreuer eilten herbei, führten ihn mit blutender Lippe vom Kurs. Platz elf, Saison-Aus im Sprint – und trotzdem: Die kleine Kristallkugel gehört ihm. Die Konkurrenz lag schon vorher zu weit zurück.

Ansgar Evensen profitierte vom Chaos der Großen. Der 23-jährige Norweger setzte sich im Finale gegen Even Northug und Edvin Anger durch – ein Foto-Finish, 0,03 Sekunden Vorsprung. «Ich hab heute Morgen noch meine Bindung justiert, und jetzt das», sagt Evensen. «Das ist verrückter als jede Simulation.»

Deutschland? Jan Stölben wird 23., Lucas Bögl 31., keine Finalteilnahme. Bundestrainer Florian Schwarz zuckt mit den Schultern: «Wir sind jung, wir lernen – und nächstes Mal stehen wir weiter vorne.»

Für Rydzek geht’s nach Oslo, wo am Sonntag der letzte Sprint der Saison steigt. «Ich werde nicht jammern», sagt sie. «Aber ich werde diese Kurve mitnehmen bis in den Sommer.» Kläbo schweigt bislang – aber die Statistik spricht: Auch ohne Drammen-Sieg ist er der dominierende Sprinter dieser Winter. Die Kristallkugel steht schon im Regal, das Eis in Drammen nur noch in Erinnerung.