Cherundolo zieht die notbremse: usa vor der wm im fokus der polarisierung

Steven Cherundolo schlägt Alarm. 77 Tage vor dem Eröffnungspfiff der Weltmeisterschaft packt der Ex-Profi von Hannover 96 aus, was viele im Land denken, aber niemand laut sagt: Die Gesellschaft in den USA ist so gespalten wie nie zuvor. „Ich mache mir große Sorgen“, sagt der 47-Jährige im Interview mit t-online. „Das vergangene Jahr war nicht einfach. Es geht nie gut aus, wenn eine Gesellschaft so polarisiert ist.“

Cherundolo fordert spieler-schutzschild statt moralkeule

Cherundolo fordert spieler-schutzschild statt moralkeule

Die Triple-WM 2026 – USA, Mexiko, Kanada – soll das größte Sportfest der Geschichte werden. Doch statt Vorfreude dominiert ein schaler Beigeschmack. Die politische Lage? Eine tickende Zeitbombe. Cherundolo, der LAFC bis vor Kurzem als Coach führte, weiß, dass Donald Trump die Bühne nutzen wird. „Damit muss man umgehen können“, sagt er knapp. Kein Protest, keine Boykott-Forderung – nur die nüchterne Erkenntnis, dass Fußball in Zeiten von Kulturkämpfen zur Zielscheibe wird.

Sein Appell an die Spieler klingt wie ein Mantra der Selbsterhaltung: „Konzentriert euch auf eure Aufgabe.“ Denn politische Statements? Für Cherundolo ein zweischneidiges Schwert. „Niemandem darf pauschal ein Maulkorb verpasst werden, aber niemand sollte zum öffentlichen Positionieren gezwungen werden.“ In diesen Worten steckt mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Sie sind ein Seismograph für eine Generation von Athleten, die zwischen Instagram-Shitstorms und Cancel-Culture balanciert.

Die FIFA wird das Statement liegen lassen. Die US-Fußball-Föderation auch. Denn Cherundolo trifft den Nagel auf den Kopf: Sport als Ersatzfeindin für politische Versagen ist ein Spiel mit dem Feuer. Die WM wird stattfinden, das steht fest. Doch die Frage, ob sie die Spaltung heilt oder vertieft, bleibt offen. Die Antwort liefern nicht die Funktionäre, sondern 90 Minuten auf dem Rasen – und die Stimmen derer, die sich nicht mehr verstecken.