Chabbey schockt die favoritinnen: strade bianche geht an die schweiz
Die Toskana schlug zurück. Auf den staubigen weißen Wegen von Siena riss Elise Chabbey dem erwarteten Triumph der großen Namen die Krone vom Kopf – und küsste sich selbst auf die Zähne, als hätte sie den Klassiker schon tausend Mal gewonnen. 133 Kilometer quälender Schotter, 30 km Stein, ein Finale auf 16 % Steigung: Am Ende stand eine Schweizerin, die vorher nur Insidern ein Begriff war.
Deutschland darf trotzdem jubeln
Franziska Koch verpasste den Sprung aufs Podest nur um Radlängen, wurde Dritte und bestätigt damit den Aufwärtstrend des deutschen Frauen-Radsports. Die 25-jährige Meisterin aus Baden verlor in der letzten Rechtskurve 300 m vor dem Ziel den Windschatten, „ein kleiner Fehler, der groß wird“, wie sie später sagte. Dennoch: Mit Kasia Niewiadoma (Polen) auf Rang zwei und Koch auf drei dominierte Europa das Rennen – nur eben nicht in der Reihenfolge, die das Pre-race-Briefing vermuten ließ.
Die Favoritinnen hingen im Kies. Pauline Ferrand-Prévot musste früh einen Defekt quittieren, Demi Vollering und Lotte Kopecky folgten versehentlich einem falschen Motorrad – „wir wussten sofort, die Tour ist gelaufen“, resümierte Vollering trocken. Ihr Blick galt bereits der nächsten World-Tour-Station, doch die Bilder aus Siena werden sie länger begleiten: Drei Top-Kandidatinnen, keine im entscheidenden Moment vorne.

Schotter, staub, selbstbewusstsein
Chabbey nutzte die Lethargie der Großen. 25 km vor dem Ziel fuhr sie in einer 13-köpfigen Spitzengruppe, zehn Kilometer später attackierte sie gemeinsam mit Niewiadoma, zog das Tempo in den steinigen Anstiegen so hoch, dass selbst Vollerings SD Worx-Team die Verfolgung aufgab. Die Zielgerade in Siena wurde zur Ein-Mann-Show: Chabbey jubelte, Niewiadoma schlug erneut die Hände über dem Lenker zusammen – Platz zwei zum vierten Mal bei Strade Bianche, ein Makel, der sich nur mit einem Sieg kitten lässt.
Für den deutschen Nachwuchs liefert Koch die Erkenntnis: Die Distanz zu den Besten schrumpft. 300 Meter fehlten, nicht mehr. Die Schotterpässe der Toskana haben neue Namen auf die Lippen gebracht – und ein altes Gesetz bestätigt: Wer zuletzt noch Kraft in die Beine pumpen kann, schreibt die Geschichtsbücher neu. Chabbey trägt jetzt das erste große Trikot ihrer Karriere, und niemand wird sie künftig unterschätzen. Die Saison ist jung, die Warnung laut.
