Klose-team versinkt im sturm der düsseldorfer: nürnberg kassiert heimpleite
Der 1. FC Nürnberg hat sich selbst in die Nesseln gesetzt. Das 0:1 gegen Fortuna Düsseldorf war keine Fußnote, sondern ein Warnschuss. Die Klose-Elf rutschte auf Rang neun ab, nur fünf Punkte trennen sie nun vom Relegationsplatz. Die Stimmung im Stadion kippte, als Shinta Appelkamp in der 53. Minute den Abpraller von Cedric Itten eindöste. Die Lage: verhängnisvoll. Die Bilanz: zu harmlose Offensive, zu viele Lücken.
Trainer Miroslav Klose stand nach dem Abpfiff lange auf der Bank, als gelte es, die neue Realität erst einzuatmen. Ohne Top-Torjäger Mohamed Zoma, der sich am Samstagmorgen mit Schulterproblemen abmeldete, wirkte sein System wie ein Motor ohne Zündkerze. Noah Maboulou rückte für den Angreifer, doch der Druck blieb aus. Als nach fünf Minuten auch noch Kapitän Fabio Gruber mit muskulären Problemen ausfiel, schien das Pech programmiert.
Die zahl, die beunruhigt: nur ein tor in den letzten vier heimspielen
Die erste Halbzeit war ein Schaukelsieg der Rituale: viel Ballbesitz, wenig Durchschlagskraft. Florent Muslija probierte es mit einem Solo, doch Keeper Jan Reichert war auf dem Posten. Satoshi Tanakus Volley nach Ecke hatte Kraft, aber keine Richtung. In Minute 31 flog der Ball sogar ins Netz – doch Schiri Timo Gansloweit hatte wegen Foulspiel schon abgepfiffen. Das Publikum pfiff zurück, die Ungeduld wuchs.
Nach der Pause schaltete Düsseldorf einen Gang höher. Erst scheiterte Itten mit einem Lupfer, dann nutzte Appelkamp den zweiten Versuch eiskalt. Die Franken antworteten mit Hektik: Rabby Nzingoula verzog freistehend, Marin Ljubicic vergab zweimal aus spitzem Winkel. Die Statistik: acht Torschüsse, nur einer aufs Tor. Die Botschaft: Torgefahr per Post.

Klose nach spiel: „wir haben den glauben verloren, als es darauf ankam“
Die Tabelle logt nicht. Mit 33 Punkten klebt der Club im Mittelfeld, doch die Rückrunde zeigt eine Tendenz: fünf Punkte aus den letzten fünf Spielen. Die Abstiegszone ist nur einen Dreher entfernt. Sportvorstand Dieter Hecking musste nach dem Spiel erklären, warum der Kader trotz Winterzugaben wie Mkrtchyan nicht stabilisiert wurde. Seine Antwort fiel kurz: „Wir müssen jetzt liefern, nicht reden.“
Für Klose beginnt die heikelste Phase seiner noch jungen Trainerkarriere. Die interne Analyse liefert ein klares Bild: Ballgewinne in der eigenen Hälfte, aber nur 32 Prozent Zweikampfquote im letzten Drittel. Die Lösung: mehr Risiko, aber auch mehr Sicherheit. Die nächsten Gegner: Kiel, HSV, Paderborn. Kein Gegner unter Platz zwölf. Die Saison ist nicht gerettet, sie beginnt erst richtig.
Die Fans sangen bis zum Schluss, doch ihre Stimme überschlug sich. Am Millerntortor wartet am Samstag ein weiterer Prüfstand. Wer dort nicht gewinnt, reist mit Koffer voller Sorgen in die Länderspielpause. Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Für Nürnberg heißt es jetzt: Abstiegskampf statt Aufstiegsträume. Die Meisterschale von 1968 verstaubt im Museum, die Gegenwart schmerzt im Nacken.
