Cagliari zieht vor napoli den not-starter – pisacane ruft zur geschlossenheit

Morgen Abend schon zieht Cagliari ins Trainingslager, eigentlich erst für Freitag vorgesehen. Der Grund: die 1:3-Demütigung in Pisa nagt, zwei Punkte aus den letzten sechs Spielen nagen, drei Treffer und zehn Gegentore nagen. Die Serie nagt.

Keine strafe, nur ein appell an den stolz der insel

Der Klub verzichtet auf ein offizielles Statement, doch wer gestern an der Unipol Domus vorbeikam, sah die Koffer der medizinischen Abteilung bereits verladen. Wer am Nachmittag trainiert, reist danach direkt ins Quartier. Keine Sanktion, heißt es intern, sondern ein „reset psicologico“: Mannschaft, Stab und Präsidium sitzen an einem Tisch, weil die Tabelle bei 30 Punkten stehen bleibt und Cremonese nur sechs Zähler dahinter lauert.

Fabio Pisacane muss auf Adam Obert verzichten, den Slowaken, der aus der Innenverteidigung heraus plötzlich als linker Flügelverteidiger souverän spielte. Auch Youssef Idrissi fällt aus – Kreuzband, drittes Mal diese Saison nach Belotti und Felici. Dafür kehrt Sebastiano Esposito zurück, Leihspieler aus Inter, Kampf- und Kopfballmaschine. Er trifft am Freitag auf Antonio Conte, den Coach, der ihn einst in den Kader der A-Nationalmannkeit beförderte.

Neapel wartet mit ehemaligen sardinien-fans

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Im Kader der Partenopei stehen gleich vier Ex-Rossoblù: Alessio Zerbin, Michael Folorunsho, Gianluca Gaetano und Leonardo Pavoletti, der in Cagliari noch immer als „Pavogol“ verehrt wird. Hinzu kommt Pisacane selbst, in Castel Volturno geboren, und Esposito, der in Salerno aufwuchs. „Für sie ist das ein zusätzlicher Adrenalinstoß“, sagt ein Vereinsfunktionär, der lieber anonym bleibt. „Für uns ein Test, ob wir noch zusammenhalten, wenn der Gegner laut wird.“

Die Zahlen sind gnadenlos: seit dem 3:0 gegen Verona Mitte Januar holte Cagliari nur zwei Punkte, kassierte in jedem zweiten Spiel mindestens zwei Gegentreffer. Die XG-Differenz fiel in den letzten fünf Partien auf minus 4,2 – ein Indikator dafür, dass das System an den Rändern bröckelt. Pisacane wird wohl wieder mit Dreierkette antreten, um Überzahl gegen Victor Osimhen zu erzeugen, doch die Außenverteidiger fehlen.

Der Trainer wollte gestern nicht mit Journalisten sprechen. Stattdessen zitierte die Akademie ein internes Memo: „Wir sind keine Rettungsinsel, wir sind eine Großfamilie. Wer nicht schwimmen will, soll das Boot verlassen.“ Harte Worte, die in den Whatsapp-Gruppen der Ultras innerhalb von Minuten kursierten. Die Kurve droht mit Schweigeminuten, sollte die Leistung erneut enttäuschen.

Nach dem Abpfiff am Freitag bleiben noch sieben Spieltage. Die Relegation rückt näher, die TV-Gelder schrumpfen, die Sponsoren drücken auf die Uhr. Wer jetzt nicht sprintet, rennt im Mai hinterher. Cagliari setzt auf einen vorverlegten Koffer – und auf die Erkenntnis, dass Inseln eben doch sinken, wenn sich keiner umdreht.