Bvb packt koffer für tokio: reus und co. müssen 13 stunden nach asien
Keine Sommerpause für Borussia Dortmund. Statt Strand und Cocktails warten 13 Flugstunden nach Fernost, ein klimatisierter Bus durch Tokios Rushhour und ein Testspiel, dessen Gegner die Klubbosse noch nicht mal nennen können. Der Grund: Marketing. Der Preis: fünf Millionen Euro plus Mats Hummels‘ Rücken und vielleicht Marco Reus‘ Urlaub.
Ende Juli startet der Revierklub bereits zur zehnten Asienreise seit 2010. Tokio steht auf dem Programm, ein zweiter Halt ist „in Vorbereitung“, wie es intern heißt. Sponsoren wollen gesehen werden, Lenovo hat die Koffer schon gepackt. Der chinesische Tech-Riese zahlt pro Jahr zwei Millionen Euro, damit seine Logo-Fläche auch im Yanmar Stadium glänzt. Die Japaner sollen folgen, Thailand war 2024 dran, nun also wieder Tokio. Für die DFL ist die Reise ein Ladenöffner: bis zu 450 000 Euro Sockelbetrieb fließen pro Klub, wenn der Medienratings liefert.
Die nationalspieler bekommen kein sommerloch
Die große Unbekannte trägt Trikotnummern 1 bis 26. Wie weit kommen Nico Schlotterbeck, Karim Adeyemi und Julian Brandt bei der WM? Fallen sie vor dem Viertelfinale raus, sitzen sie im Juli neben dem Economy-Sitz-Toilettenflur. Kommen sie bis ins Finale, fliegt der Rest des Kaders ohne sie – und Edin Terzić muss zwei Pläne schreiben: einen für Tokio mit Stars, einen für München ohne.
Die Spielergruppe, die 2022 nach Singapur und Vietnam flog, erinnert sich an Schlafmasken, aufgeplatzte Ohren und Jetlag, der bis zum DFB-Pokal dauerte. Der Profit war damals präsent, die Leistung danach miserabel. Sportdirektor Sebastian Kehl betont intern, dass man „die Belastung steuern“ wolle. Heißt: weniger Fan-Events, mehr Regeneration, dafür kürzere Trainingslager in der Heimat.

Tokio verspricht kassensturz statt tiki-taka
Die Rechnung ist simpel: ein Spiel in Tokio zieht 50 Millionen TV-Zuschauer in Japan. Jeder Sponsor zahlt pro Sichtkontakt mit Logo im Stadionrand zusätzlich fünfstellige Beträge. Dazu Merchandising: ein BVB-Trikot kostet im japanischen Onlineshop umgerechnet 110 Euro, dreimal so viel wie hier. Vor zwei Jahren gingen 25 000 Jerseys über den Tresen, diesmal sind es laut internen Excel-Tabellen 35 000. Die fünf Millionen Euro vom letzten Mal könnten leicht zur Sechs werden. Und das, obwohl der Gegner noch gar nicht feststeht.
Terzić will nach der Rückkehr ins Westfälische ein Kurzlager einbauen, um „die neuen automatismen einzuschleifen“. Klingt nach Bürokratie, ist Profisprache für: Wir haben keine Zeit, alles wird schnell gehen. Die Bundesliga startet Anfang August, Pokal eine Woche später. Wer da noch mit 30 Stunden Zeitversatz im Knochen kalkuliert, verliert Punkte.
Der BVB fliegt also wieder. Die Karawane zieht, der Koffer klappert, die Uhr tickt. Wer glaubt, Fußball sei nur Sport, versteht die Geschäftsidee nicht. Für Dortmund ist Tokio ein zweiter Transfermarkt, nur ohne Gehalt und mit Gepäckzuschlägen. Die Spieler? Die bekommen Meilen, Medizinballsessions und vielleicht eine Erinnerung an ein Land, das ihre Namen ausspuckt, bevor sie sie selbst buchstabieren können. Die Kasse klingelt schon. Und der Jetlag wartet.
