Suzuka-schock: mclaren schlägt zurück – piastri vorne, mercedes blamiert

Der Freitag in Suzuka dürfte bei Toto Wolff für kalte Schweißperlen gesorgt haben. Denn wer die FP2 des Japan-GPs erlebte, sah nicht die Silberpfeile auf Zeitenjagd, sondern eine McLaren-Revolution. Oscar Piastri setzte die Bestzeit, Teamkollege Lando Norris wurde trotz Startproblemen Vierter – und ließ damit Mercedes wie auch Ferrari alt aussehen.

Warum diese runde mehr ist als ein einzelereignis

Zuletzt galt McLaren als ausgelaucht. Nach der Doppelpanne in China, als beide MCL60-26 nicht einmal eine fliegende Runde schafften, schickte die FIA die Truppe aus Woking zur Krisensitzung nach Brixworth. Dort, in der High-Performance-Laborecke von Mercedes HPP, sollte die neue 2026er-Aggregat-Generation zerlegt und verstanden werden. Offenbar haben die Ingenieure mehr verstanden als erwartet – und das Resultat liegt nun in den Zeitentabellen: Piastri 1:29,812 min, drei Zehntel vor Leclerc, neun vor Russell.

Die Rechnung geht aber nur auf, weil McLaren die Batterie-Lücken stopfte. Wer in Suzuka 9 Megajoule über die Haarnadeln schickt, verliert auf den Geraden. Wer nur 8 MJ nutzt und dafür das „Super-Clipping“ in 130R und der hinteren Geraden aktiviert, spart 0,35 s pro Runde. Genau diese Einstellung wählten Piastri und Norris für ihre Longruns – und plötzlich stehen zwei McLarens vor den Silberpfeilen.

Mercedes bangt um die qualifying-batterie

Mercedes bangt um die qualifying-batterie

Denn was niemand außerhalb der Boxenmauern sah: Hamilton und Russell fuhren mit dem abgespeckten Akku. Die Software erlaubt ab Samstag nur noch 8 MJ, deswegen probierte das Duo die neue Energie-Verteilung durch. Ergebnis: 0,4 s Verlust auf einer Einzellrunde. Die Onboard-Bilder zeigen, wie die Silberpfeile in 130R kaum noch abbremsen – das Aggregat liefert kaum elektrischen Schub. Wenn Mercedes das Problem nicht löst, droht in Q3 ein Desaster.

Ferrari hingegen hat keinen technischen Vorwand. Leclerc landete zwar auf Platz zwei, doch die Rückstände auf McLaren und Mercedes wuchern. Carlos Sainz folgt als 13. – innerhalb einer Zehntelsekunde hinter Albon, Verstappen und Ocon. Die roten Autos wirken in Suzuka schwerer, die Reifen kommen später in den Fenster. Ein Trend, der sich seit Melbourne verfestigt.

Aston martins kleiner moralischer sieg

Aston martins kleiner moralischer sieg

Fernando Alonso landete direkt nach der Babypause auf Rang 19 – klingt nach Katastrophe, ist aber ein Erfolg. Denn der Brite kam erst am Morgen um 7 Uhr Ortszeit aus dem Flieger, musste die FW48-Geometrie mit limitierter Honda-Power erkunden und war dennoch 0,4 s schneller als Lance Stroll. Aston bleibt das langsamste Chassis des Feldes, doch Alonsos Beine schlagen immer noch eine halbe Sekunde heraus. Das ist keine Statistik, das ist pure Klasse.

Und dann da hinten: Valtteri Bottas im Cadillac vor Alonso, Nico Hülkenberg im Audi vor den beiden Alpines. Die Mittelfeld-Dichte ist so groß wie nie – acht Fahrer in einer Zehntel-Blase zwischen Platz sieben und 15. Kleine Änderungen an Flügeln und Diffusoren, ein neues Motoren-Mapping – und schon rutscht man vom Hero zum Zero.

Die Zeiten von Freitag sind ein Schnappschuss, klar. Reifenmischungen, Tanklasten und Motoren-Modi verfälschen das Bild. Doch wer McLaren heute live erlebte, sah ein Team, das die Tiefschläge von China in reine Pace verwandelt hat. Die Frage ist nicht mehr, ob sie mithalten können. Die Frage lautet: Wer schafft es, mit ihnen mitzuhalten? Antwort gefällig? Die Piloten treffen sich morgen um 7 Uhr deutscher Zeit in Q3 – dann ist Redezeit vorbei.