Nagelsmann setzt auf musialas comeback – und schwärmt vom bayern-wunder karl
Julian Nagelsmann schickt Jamal Musiala in den WM-Sprint. Der Bundestrainer erwartet seinen Superstar bis zur WM auf 100 Prozent – und hat schon einen Plan B parat, der den Bayern-Block in Deutschland erzittern lassen könnte.
Die schmerz-frage bleibt offen
Musiala fehlt beim Länderspiel-Doppel gegen die Schweiz und Ghana. Die Reaktion im einst verletzten Bein meldet sich zurück, ein Reminder an jene „extrem schwere Verletzung“, wie Nagelsmann sagt. Er habe keine Angst, aber Respekt vor dem Körper. „Wenn die Schmerzen nicht tolerierbar sind, kannst du nicht befreit spielen – und dann bringt auch kein Musiala den Unterschied.“
Die Uhr tickt laut. WM-Start in 247 Tagen, das sagt die interne Countdown-Anzeige im Frankfurtener Quartier. Musiala weiß das, Nagelsmann weiß das, der ganze Klub-Apparat um ihn weiß das. Die Frage lautet nicht mehr, ob der 21-Jährige spielen kann, sondern: Wie viel Tabu-Risiko steckt in jedem Training, das zu viel sein könnte?

Lennart karl ist längst mehr als ein notnagel
Der 18-Jährige trainierte diese Woche mit der A-Nationalmannschaft – und schlich sich mit dem Selbstvertrauen eines Stammspielers in die Übungsanlagen. Nagelsmann beobachtete, wie Karl sich in engste Räume dribbelte, ohne je den Ball zu sehr zu lieben. „Er war ruhiger, als ich ihn aus den Jugend-Videos kannte. Kein Hype-Gehabe, stattdessen Präzision und ein Lächeln, das sagt: ‚Ich gehöre hier hin.‘“
Die Zahlen sprechen für sich: In dieser Saison lief Karl 547 Minuten in der Bundesliga, dabei drei Torbeteiligungen, eine Passquote von 87 Prozent und 23 erfolgreiche Dribblings in der gegnerischen Hälfte. Kein anderer U19-Spieler in Europa kommt auf diese Kombination aus Effizienz und Mut. Bayern-Intern nennen sie ihn „Karlsson“, weil er angeblich aus dem Nichts auftaucht und Tore klaut.
Für Nagelsmann ist das kein PR-Märchen. Er braucht Spieler, die ein Turnier aufreißen können, wenn der Favoritenstempel klebt und die Gegner ihre Überzahl nur mit Fouls stoppen. „Wenn du so jemanden mitnimmst, willst du Frische, willst du Unbekümmertheit – und die bringt Karl mit, ohne in Selbstüberschätzung zu versinken.“
Der Plan: Musiala soll bis Juni schmerzfrei sein, dann folgen Micro-Cycles mit höchster Intensität, aber nur jeden zweiten Tag. Karl bekommt Minuten im Nations-League-Sommer, damit das Team weiß, wie es sich anfühlt, wenn aus dem Stand ein 18-Jähriger das Spielmuster umstellt. Sollte Musiala doch noch stocken, ist der Jungstar längst kein Geheimtipp mehr, sondern ein regelrechter Katalysator.
Am Ende zählt nur ein Satz von Nagelsmann: „Wir fahren zur WM, um zu gewinnen – mit oder ohne Jamal auf 100 Prozent.“ Dahinter steckt eine Drohung und ein Versprechen zugleich. Die deutsche Elf hat endlich wieder Tiefe, und diese Tiefe trägt den Namen Lennart Karl.
