Bosnien schießt italien ab: drama von zenica versetzt azzurri in neue blamage

Zenica – 90 Minuten, 120 Minuten, elfmeterreifes Kino. Bosnien-Herzegowina feiert sich, Italien vergrabt den Kopf. Der 1:1-Nachschlag verwandelte die Dragons in die USA, Mexiko und Kanada – und die Squadra Azzurra in die dritte WM-Ferienreise nacheinander. Der Balkan jubelt, der Apennin verstummt.

Vasilj patzt, kean trifft – dann flippt bilino polje aus

Schon der Start roch nach Finale. Sergej Barbarez hatte Basic für Tahirovic aufgeboten, Demirovic köpfte die erste Warnung (7.). Doch der erste Schrei galt Italien. Ibrahim Vasilj, gegen Wales noch Elfmeterheld, schenkte Moise Kean den Ball – 0:1, 15. Minute. Zenica verstummte für Sekunden, schäumte dann umso lauter. Basic, Katic, Demirovic – alle verpassten den Ausgleich, Leonardo Bastoni flog als Letzter Mann per Rot (41.). Unterzahl, aber Führung. Gattuso schien die Katze im Sack zu haben.

Die zweite Hälfte wurde ein Belagerungsbetrieb. Alajbegovic, frisch aus Leverkusen zurück, donnerte Donnarumma an (51.). Die Italiener zogen sich aufs Catenaccio zurück, Basic’ Querpass wurde zur nächsten Einladung – Kean scheiterte diesmal selbst (60.). Die Stimmung kippte. Wer schießt, wenn nicht mehr der Gegner?

Tabakovic trifft, bajraktarevic krönt – italien fliegt

Tabakovic trifft, bajraktarevic krönt – italien fliegt

Barbarez’ Joker warf den nächsten: Haris Tabakovic, frisch eingewechselt, stocherte den Abstauber zum 1:1 (79.). Die Verlängerung bahnte sich an, Donnarumma wehrte gegen Demirovic (88.). Im Nachschlag dominierte Bosnien, doch Esposito und Palestra ließen die Riesenchancen auf italienischer Seite liegen (102., 105.+1). Tahirovic scheiterte in der 120. Minute – Elfmeter.

Vom Punkt wurde es grausam. Tahirovic verwandelte souverän, Esposito schoss über die Latte, Cristante traf den Pfosten – und Amar Bajraktarevic schob mit links ins linke Eck. 4:1. Bilino Polje explodierte, die Azzurri sanken auf die Knie. Drei Turniere in Folge ohne WM – für vierfache Weltmeister eine Zäsur mit Geschmack von Blei.

Gruppe b wartet – kanada, katar, schweiz

Gruppe b wartet – kanada, katar, schweiz

Am 16. Juni um 21 Uhr treffen die Bosnier in Arlington auf Kanada. Davor gastieren sie noch beim Test in Graz gegen Österreich, danach winkt Katar und zum Gruppenausklang die Schweiz. Für Barbarez ist die Mission klar: „Wir wollen nicht nur dabei sein, wir wollen überraschen.“ Italien muss bis 25. September warten, wenn Belgien in der Nations League anreist. Trainer Gattuso atmet tief: „Wir haben versagt, Punkt.“ Die Zahlen sprechen für sich: 30 Schüsse für Bosnien, nur neun für Italien – und ein einziger, der zählt, trägt rot-weiß.