Tschechien zittert, trifft, triumphiert: wm-ticket nach irrsinnigem drama
Prag schrie sich in der Nacht den 20-jährigen Frust von der Seele. Die eine Hälfte des Stadions weinte vor Erleichterung, die andere vor Verzweiflung. Tschechien hat das Elfmeterschießen gegen Dänemark gewonnen – und damit das Ticket zur WM 2026. 3:1 nach 120 Minuten, die mit 2:2 endeten und mit Nerven, die blank lagen wie die Stollen der Spieler.
Was keiner mehr glaubte, passierte doch. Ein Team, das seit 2006 nicht mehr bei einer Endrund dabei war, schlägt zweimal binnen fünf Tagen den K.o.-Modus. Gegen Irland rückwärts, gegen Dänemark zweimal in Führung und zweimal eingeholt. Pavel Sulc traf nach 180 Sekunden, Ladislav Krejci in der Verlängerung. Beide Male antworteten die Skandinavier: Joachim Andersen per Kopf, Kasper Högh per Innenpfosten.

Michal sadilek wird zum held, weil drei dänen scheitern
Rasmus Höjlund schoss zu mittig, Anders Dreyer zu halbhoch, Mathias Jensen ans Aluminium. Drei Schritte, drei Mal das leise Puff, das Prag verstummen lässt und dann explodieren. Sadilek verwandelte den letzten Versuch, ließ die Arme kreisen und rannte davon, als wolle er die letzten zwei Dekaden einholen.
Dabei war die Partie lange eine Offenbarung der Dänen. Sie spielten den Ball, Tschechien spielte die Emotion. Coach Miroslav Koubek hatte seine Startelf auf drei Bundesliga-Kräfte gebaut: Patrik Schick als falsche Neun, Vladimir Coufal und Robin Hranac als Raumverteidiger. Schick blieb erstmals in den Play-offs ohne Tor, dafür lieferte er die Vorlage zum 2:2, indem er sich in jeden Zweikampf warf und die Abwehr lockerte.
Die Zahlen sind hart: Tschechien hatte 38 % Ballbesitz, nur vier Torschüsse aus dem Spiel heraus. Dennoch reichten zwei Treffer, weil die Dänen vor 19.000 Zuschauern zwar dominieren, aber nicht abwehren konnten. Die Resilienz der Gäste wurde zur Fußnote, weil sie am Ende doch wieder nach Hause fahren müssen – ohne Endrunde, ohne Trost.
Nun droht Gruppe A mit Südkorea, Südafrika und Gastgeber Mexiko. Kein leichtes Los, aber auch kein Kreuzgang mehr. Die Tschechen haben sich selbst zurück ins Licht gespielt. Und wenn sie in zwei Jahren in Mexiko erneut in Führung liegen, werden sie wissen: Wir haben schon Schlimmeres überstanden. Das reicht, um ein ganzes Land zu versprechen: Diesmal bleiben wir länger als drei Spiele.
