Hcc dreht wildcard-krimi gegen sierre – huguenins schlenzer krönt 65-minuten-wahnsinn

La Chaux-de-Fonds – Wer am Dienstag in die 4.819-stimmungsvolle Eishalle Les Mélèzes kam, bekam nicht einfach Playoff-Eishockey serviert, sondern eine Achterbahn mit vier Video-Urteilen, zwei gehalten Penalties, fliegenden Bierbechern und einem Happy End in Grün-Weiß.

Frühes asselin-tor weckt die beast mode der neuenburger

Die Gäste aus dem Wallis knallten schon in der 4. Minute auf 1:0, Samuel Asselin nutzte ein Vauktins-Passchen zur kalten Dusche für Viktor Östlund. Die Antwort? Braucht nur 120 Sekunden. Janick Loosli zieht aus zentraler Position ab – Sierre-Keeper Fatton trägt den Puck wie Seife im Handschuh. 1:1. Die Szene setzt den Ton: Hier spielt niemand Schach, hier wird Uno mit offenen Karten gespielt.

Tim Grossniklaus räumt einen Gegner mit dem Bodycheck ab, der die Plexiglasfuge wackeln lässt – Spieldauerstrafe, HCC in Unterzahl. Sierre drückt, doch Östlund fischt die Scheibe auch beim Penalty gegen Asselin aus dem Winkel. Mikael Eugster schlenzt 20 Sekunden vor Drittelende zum 2:1 – Publikum tobt, Bier geht durch die Luft.

Zweites drittel: powerplay-treffer und 51-sekunden-pingpong

Zweites drittel: powerplay-treffer und 51-sekunden-pingpong

Mathieu Vouillamoz lenkt einen Blueliner im Gewühl ab – 2:2. Die Partie wird zum Schlagabtausch. Anthony Huguenin schnappt sich die Scheibe nach einem Face-off-Win und hämmert zur erneuten Führung ein. Antwort von Julien Privet? Wartet keine Minute. 3:3. Kurz vor der zweiten Pause schlägt Vouillamoz erneut zu – 4:3, diesmal nach einem Abpraller, bei dem Östlund blind ist. Die Walliser gehen mit einer Führung in die Kabine, doch die Atmosphäre kocht schon wie Fondue über offenem Feuer.

Drittel der chaos-queens: video-overturns, verletzter linienrichter, huguenins hammer

Drittel der chaos-queens: video-overturns, verletzter linienrichter, huguenins hammer

Ein vermeintliches Tor der Neuenburger wird wegen Keeper-Interference zurückgenommen – die Halle explodiert fast. Becher regnen aufs Eis, ein Linienrichter wird von einem Abseitspuck am Knie getroffen und humpelt raus. Doch Gilian Kohler nagelt den 4:4 aus kurzer Distanz – erneut Video-Check, diesmal zählt es.

In der Overtime jubelt Sierre bereits, Leonardo Fuhrers Treffer wird wegen hohem Stock aberkannt. Die Energie schlägt um in pure Wut – und genau da packt Huguenin noch mal aus. Loosli legt hinter dem Tor ab, Huguenin zieht den Slapshot wie einen Katapult – 5:4. Die Lampe geht an, das Video bestätigt: Serie steht 1:1, die Mauer aus Grün-Weiß jubelt sich die Kehle wund.

Fazit: Wer behauptet, Eishockey sei vorhersagbar, hat diesen Abend nicht erlebt. 65 Minuten Amoklauf, zwei Penalty-Kills, drei Video-Overturns – und ein Huguenin, der den Puck so hart traf, dass selbst Fatton nur noch die Handschuhe hob, als wollte er sagen: „Bitte, nehmt mir die Sicht.“ Nächstes Spiel am Freitag in Sierre. Die Serie lebt – und mit ihr der Glaube an den Sport, der keine Drehbücher braucht.