Ben farhat glüht, simic schuftet – eichners doppelspitze macht dresden angst

Louey Ben Farhat jagt den Ball – und die gegnerischen Abwehrreihen. Drei Tore in zwei Spielen katapultieren den 19-Jährigen zurück in die Schlagzeilen, doch der Karlsruher SC schreibt vor dem Duell mit Dynamo Dresden (Sonntag, 13.30 Uhr) ein anderes Stichwort an die Wand: Arbeitsteilung. Denn während Ben Farhat trifft, schafft Roko Simic die Räume dafür. „Das tut Lou gerade richtig gut“, sagt Trainer Christian Eichner knapp vor dem 25. Spieltag.

Simic stillt durst mit selbstaufgabe

Seit Mitte November wartet der Kroate auf seinen nächsten Treffer – ein Horrorlauf für jeden Stürmer. Doch statt zu jammern, schaltet Simic einen Gang höher. Pressing, Laufwege, Kopfballabsicherung: Statistiken des internen Analystenteams zeigen, dass seine Defensivleistungen in den letzten fünf Partien um 23 Prozent gestiegen sind. Eichner nennt das „großes Herz statt Klagekultur“. Der Coach will keinen Tausch, sondern einen Partner für Ben Farhat, der nach Mittelfußbruch und monatelanger Zwangspause wieder in Fahrt kommt. „Er hat es sich erarbeitet, nicht erzwungen“, betont Eichner – ein Seitenhieb auf frühere Leistungsnachweise des Youngsters, die eher Kraft als Reife demonstrierten.

Ein Sieg gegen Dresden würde den KSC auf 31 Punkte katapultieren, die Abstiegsränge lägen plötzlich sieben Zähler dahinter. Genug, um die Angst zu nehmen? „Erst rennen, dann feiern“, antwortet Eichner trocken. Er weiß: Dynamo reist mit der besten Auswärtsbilanz der Liga, holte aus den letzten fünf Gastspielen 13 von 15 möglichen Punkten. Der Plan lautet deshalb: Simic bindet mit Laufwege zwei Innenverteidiger, Ben Farhat schlägt in der entstehenden Lücke zu. Klingt einfach, ist es aber nur, wenn beide ihre Rollen akzeptieren. „Wir brauchen keinen Ego-Trip, wir brauchen Punkte“, sagt Eichner.

Die Fans spüren die Verschiebung. Bei der letzten Heimpartie skandierte die Nordkurve erstmals seit Wochen „Sturm bis zum Schluss“ statt „Endlich ein Tor“. Die Botschaft: Arbeit ist ebenfalls Entertainment. Simic nahm das Mikro nach Abpfiff, bedankte sich für den Support und kassierte Standing Ovations – trotz erneuter Torflaute. Das Bild geht viral, weil es Seltenes zeigt: Anerkennung ohne Treffer.

Zahlen, die schmecken

Zahlen, die schmecken

Ben Farhat kommt auf 0,78 Tore pro 90 Minuten seit seiner Rückkehr, Simic erzielt 0, aber er gewinnt 57 Prozent seiner Zweikämpfe in der gegnerischen Hälfte – Spitzenwert im Kader. Die Kombination aus Killer und Klotz funktioniert also, selbst wenn nur einer jubelt. Und selbst wenn Simic am Sonntag wieder nicht trifft: Sein letztes Tor datiert vom 17. November, doch seitdem haben sich seine Vorlagenwahrscheinlichkeit (xA) und Balleroberungen im letzten Drittel fast verdoppelt. Die Tore seiner Partner sind auch seine Tore – nur eben ohne Eintrag in der Statistik.

Der KSC hat die Rechnung längst verstanden: Fußball ist kein Tennis, wo Einzelleistung zählt. In der 2. Bundesliga entscheidet oft die zweite Sekunde, in der sich ein Stürmer für den Kollegen abrackert. Dresden wird diese zweite Sekunde spüren. Und wenn Ben Farhat dann wieder trifft, wird Simic als Erster bei ihm sein – ohne Tor, aber mit breitem Grinsen. Denn der Kroate weiß: Der Weg ist das Ziel, besonders wenn er am Ende gemeinsam mit der Mannschaft jubelt. Die Tabelle spricht dann eine klare Sprache: Karlsruhe dankt es beiden – dem Schützen und dem Schufter.