Bayern-krise 1979: ein spieleraufstand erschütterte den rekordmeister

München – Die Geschichte des FC Bayern ist gespickt mit Triumphen, aber auch mit Momenten der Krise. Eine besonders turbulente Phase erlebte der Verein im Frühjahr 1979, als ein Spieleraufstand den damaligen Präsidenten Wilhelm Neudecker stürzte und die Fußballwelt in Aufruhr versetzte.

Der tiefe fall nach den dreifach-siegen

Nur wenige Jahre nach dem historischen Dreifach-Erfolg in den 70er Jahren befand sich der FC Bayern im freien Fall. Nach dem Abgang von Dietmar Cramer, dem Trainer der legendären Europapokalsiege von 1975 und 1976, übernahm der ungarische Coach Gyula Lorant das Ruder. Doch auch unter seiner Führung blieb der Erfolg aus. Die 7:1-Demütigung durch Fortuna Düsseldorf im Dezember 1978 markierte den Tiefpunkt. Neudecker handelte und entließ Lorant, um seinen Landsmann Pál Csernai zu installieren. Eine Maßnahme, die sich jedoch als ebenso wenig erfolgreich erwies.

Die Situation war desaströs. Sportlich und wirtschaftlich kämpfte der Verein um seine Existenz. Neudecker suchte nach einer Lösung, die ihm die Kontrolle behalten ließ und fand sie in der Person von Max Merkel, einem Mann mit der Reputation, auch unter schwierigsten Bedingungen Erfolge zu erzielen. Merkel, bekannt als „Peitsche“ wegen seiner harten Trainingsmethoden, hatte zuvor bereits mit dem TSV 1860 München und dem 1. FC Nürnberg die Bundesliga gewonnen und war zudem mit Atlético Madrid spanischer Meister und Pokalsieger geworden.

Der Name Merkel löste im Bayern-Team blanke Horror aus. Die Spieler, an Csernais lockere Führung gewöhnt, sahen in Merkels rigoroser Art eine Bedrohung ihrer vermeintlichen Freiheit. Neudecker versuchte, die Gemüter zu beruhigen: Bei drei Punkten in den nächsten zwei Auswärtsspielen gegen Eintracht Braunschweig und Borussia Mönchengladbach würde er von Merkel und dem 0:4 gegen Arminia Bielefeld absehen.

Das Spiel in Braunschweig endete torlos, ein Resultat, das angesichts der desolate Verfassung des Teams – Maier feberschwitzeend, Breitner geschwächt von Magenproblemen, Rummenigge mit einem verdrehten Knöchel – durchaus als Erfolg gewertet werden konnte. Doch auf dem Rückflug nach München in Hannover erfuhren die Spieler, dass Merkel bereits einen Zweijahresvertrag unterschrieben hatte.

Der spieleraufstand und der fall neudeckers

Der spieleraufstand und der fall neudeckers

Die Reaktion war sofort: Maier und Breitner, als Sprecher des Teams, verkündeten, am Montag nicht zu trainieren – weder mit noch ohne Merkel. Ein offener Aufstand! Neudecker, der von Maier's angeblicher Anarchismus und Streikleitung sprach, blieb unnachgiebig. „Es wird einen neuen Trainer geben“, teilte er mit.

Am Montagmorgen versammelten sich die Spieler im Kabinentrakt der Säbener Straße. Neudecker kam, tobte und kündigte schließlich an, die Präsidentschaft zurückzulegen. Nur wenige Stunden später wurde Willi O. Hoffmann zum neuen Präsidenten gewählt. Ein dramatischer Moment, der nicht nur den FC Bayern, sondern auch die Stadt München erschütterte, denn zu Neudeckers Zeiten war der Verein noch der TSV 1860 München.

Sechs Tage später, am 23. März 1979, gelang dem FC Bayern ein fulminanter 7:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach, das Team, das später in jener Saison den UEFA-Pokal gewann. Ein Sieg, der von ausgelassener Freude im gesamten Team gefeiert wurde – ein solches Ereignis gab es zuvor noch nie.

Pál Csernai blieb bis 1983 Bayern-Trainer und gewann in dieser Zeit zwei Meisterschaften sowie den Vize-Europapokalsieg 1982. Max Merkel selbst trainierte den FC Bayern nie, kassierte aber über zwei Jahre hinweg Gehalt vom Verein. Die Geschichte von 1979 ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie ein Spieleraufstand die Machtverhältnisse in einem Verein auf den Kopf stellen kann und wie wichtig die Führungspersönlichkeiten für den Erfolg eines Teams sind.