Köln bricht den fluch: 3:1 gegen bremen – aber der knoten ist noch nicht ganz geplatzt
Nach acht sieglosen Spielen
haben die Kölner endlich wieder das Tor zum Sieg aufgestoßen – mit dem Schlüssel namens Rote Karte und einem Marvin Schwäbe, der nach dem Schlusspfiff tief durchatmete. Das 3:1 gegen Werder Bremen riecht nach Befreiung, riecht aber auch nach Bauarbeiterstimmung.Der sieg, der wie ein seifenoper endete
Die Partie hatte alles: zwei Elfmeter, eine Ampelkarte, ein Kölner Anschlusstor und anschließend acht Minuten Nachspielzeit, in denen der FC sich selbst fast noch den Hals umdrehte. »Gebraucht hätte ich den Stress nicht«, sagte Schwäbe und meinte die Bremer Drangphase nach dem 2:1. Seine Vorderleute spielten den Ball nicht ins Aus, sondern ins Zeitspiel – und plötzlich war die Ruhe wieder weg, die Trainer René Wagner seit Wochen predigt.
Die Zahlen sind trotzdem hart: Köln stand vor Spielbeginn bei 20 Gegentoren in den letzten sieben Partien. Die neue Viererkette mit Luca Kilian und Jeff Chabot wirkt noch wie ein Baukasten, bei dem einige Steine schief stehen. Die Lösung? Weniger Risiko, mehr Ballbesitz. »Wir versuchen, länger am Ball zu sein«, erklärt Wagner, »damit wir nicht ständig im Sprintmodus rumlaufen.«

Warum der tabellenvorsprung trügt
Die Konkurrenz aus Bochum, Mainz und Gladbach lief gleichzeitig gegen die Wand – plötzlich fünf Punkte Vorsprung auf Rang 16. Klingt beruhigend, ist es aber nicht. Der FC hat mit St. Pauli, Leverkusen und Dortmund noch drei eklige Auswärtsspiele vor der Brust. Ein Sieg in Hamburg nächste Woche und der Vorsprung wächst auf acht Zähler. Eine Niederlage? Dann ist die Tür zum Keller wieder offen, und die Party vom Sonntag verflüchtigt sich.
Die große Baustelle bleibt die Chancenverwertung. Selbst in Überzahl verpassten die Kölger mehrere Konter, die bei einem besseren Gegner gnadenlos bestraft worden wären. »Das war mir nicht zielstrebig genug«, motzt Wagner, ohne Namen zu nennen. Dahinter steckt die Angst, dass das Selbstvertrauen beim nächsten Rückschlag wieder zusammenbricht wie ein Kartenhaus.

Was wirklich bleibt
Der Sieg gegen Bremen war ein Schritt, kein Sprung. Er beweist, dass Köln in der Lage ist, ein Spiel über die Runden zu bringen – aber eben auch, dass die Mannschaft noch zittert, wenn der Gegner Luft holt. Die Fans feierten trotzdem, wiegen sich in Sicherheit, wissen aber tief im Bauch: Die Saison ist noch nicht gerettet, der Fluch nur kurz gebrochen. Der nächste Prüfstein folgt am Samstag im Millerntor-Stadion. Dort wird sich zeigen, ob der Knoten wirklich geplatzt ist – oder nur kurz gelockert.
