Bayern-intern: neuer steht vor der frage aller fragen

Die Uhr tickt. Manuel Neuer spürt es, die Mannschaft spürt es – und jetzt spürt es auch die Öffentlichkeit. Nach 14 Jahren als unumstrittene Nummer eins zwischen den Pfosten des FC Bayern bahnt sich eine Zäsur an, die nicht einmal der Kapitän selbst steuern kann.

Was in der kabine wirklich über neuer gesagt wird

Was in der kabine wirklich über neuer gesagt wird

Christian Falk, Chefreporter der BILD-Sportredaktion, hat über Wochen mit Spielern gesprochen, die sonst schweigen. Das Ergebnis: Ein Klub, der sich in zwei Lager teilt. Die eine Hälfte verehrt Neuer als lebende Legende, die andere stellt sich lautstark die Frage, ob eine 40-jährige Torhüterin nach zwei Operationen und einer Ski-Attacke noch die nötige Spritzkraft besitzt, um in der Champions League zu retten, was zu retten ist.

Die Zahlen sind gnadenlos. In dieser Saison ließ Neuer bereits neun Gegentore aus zentraler Position – so viele wie in der gesamten Vorsaison 2020/21. Die Fangquote sank von 76 % auf 68 %. Für einen Keeper, der einst mit einer Hand noch mehr hält als andere mit zwei, ist das ein kleiner Erdbeben-Moment. Doch die Statistik ist nur die halbe Wahrheit.

Was Falk herausfand, ist der emotionale Riss. Jungprofis wie Jamal Musiala und Alphonso Davies schwärmen noch immer vom „Neuer-Effekt“, der sie in Trainingsspielen lächeln lässt, weil sie wissen: Hinten ist erst mal Dach. Die Routiniers dagegen – Thomas Müller, Joshua Kimmich, sogar Coach Vincent Kompany – diskutieren hinter vorgehaltener Hand, ob Daniel Peretz, der 23-jährige Israelische Nationaltorwart, nicht langsam die Einsatzminuten verdient hätte, die bisher automatisch an Neuer gingen.

Der Verein schweigt offiziell. Sportdirektor Christoph Freund winkt ab: „Manu ist unsere Nummer eins – Punkt.“ Doch intern arbeitet die Medizin-Abteilung bereits mit zwei Szenarien. Plan A: Neuer erhält ein letztes Ein-Jahres-Angebot, gekoppelt an die Vorgabe, seine Einsatzzeiten zu reduzieren – DFB-Pokal und Bundesliga-Spiele gegen unteres Tabellendrittel könnte künftig Peretz übernehmen. Plan B: Der Kapitän weigert sich, kündigt seinen Abschied an – und Bayern wirft sich auf Jan Oblak (Atlético) sowie Giorgi Mamardashvili (Valencia) an.

Die Entscheidung soll bis Ende März fallen. Warum so schnell? Weil die Champions-League-Achtelfinal-Rückrunde ansteht und der Klub vor Sommer-Planungschaos steht. Verlängert Neuer nicht, müsste Bayern rund 20 Millionen Euro in einen neuen Weltklasse-Keeper investieren – Geld, das eigentlich für eine neue Sechs vorgesehen war.

Neuer selbst trainiert wie besessen. Team-Kollegen berichten, er komme morgens um 7:30 Uhr, eine Stunde vor der offiziellen Einheit, absolviere extra Sprungkraft-Zirkel mit dem Fitnesscoach. „Er will zeigen: Ich bin noch lange nicht fertig“, sagt ein enger Vertrauter. Doch der Körper sendet auch andere Signale. Nach Spielen braucht er zwei Tage länger zur Regeneration, die Adduktoren reagieren empfindlich, und beim Aufwärmen greift er öfter zu den Schienen-Teip-Bandagen, die er früher verspottet hatte.

Die Fans sind gespalten. In Foren und Twitter-Spaces diskutieren Anhänger, ob Loyalität über Leistung gehen darf. Eine Umfrage der Sportwelt Pelkum unter 3.200 Lesern ergab: 54 % wünschen sich eine Ehren-Rolle, 31 % fordern einen sofortigen Sturz, 15 % wollen ihn einfach noch ein Jahr weiter sehen – egal wie. Die Zahlen zeigen: Diese Debatte spaltet nicht nur die Kabine, sondern die ganze Anhängerschaft.

Am Sonntag steht das Topspiel gegen Leverkusen an. Für Neuer wird es zur Zerreißprobe – nicht nur sportlich. Er weiß: Verliert er erneut durch einen vermeidbaren Gegentreffer, schlägt die Stimmung um. Dann wäre nicht mehr nur sein Gesicht auf den Plakaten, sondern auch seine Zukunft beim FC Bayern in Gefahr.

Bayern-Boss Herbert Hainer sagt: „Große Spieler gehen mit Anstand – und mit dem nächsten Titel.“ Für Manuel Neuer könnte das bedeuten: Entweder er nimmt die reduzierte Rolle an und wird zum Teilzeit-Kapitän. Oder er geht – mit dem Pokal in der Hand und der Träne im Knie. Die Uhr tickt. Und sie tickt laut.