Walter m. straten explodiert: „dieser elfer war ein skandal!“

München – Es dauerte keine fünf Minuten, da hatte Walter M. Straten die Faxen dicke. „Ich war entsetzt! Ah, furchtbar!“ Die Worte des erfahrenen Referee-Beobachters donnern noch am Sonntag durch die Redaktionsräume der BILD und setzen den ohnehin brisanten 2:1-Sieg des FC Bayern gegen Gladbach unter ein neues, hitziges Licht.

Warum der straten den elfer als „schande“ bezeichnet

Der 73-Jährige, bis 2018 selbst DFB-Schiedsrichter und heute als TV-Experte gefragt wie nie, zerpflückt die 32. Minute. Da hatte Benjamin Pavard nach einem Zweikampf mit Alassane Pléa zu Boden gegangen – und Schiedsrichter Felix Zwayer zeigte sofort auf den Punkt. „Kein Kontakt, kein Foul, kein Elfmeter“, sagt Straten im Video und schlägt mit flacher Hand auf den Tisch. „So etwas vergiftet die ganze Liga.“

Die Katastrophe nahm ihren Lauf. Leroy Sané verwandelte sicher, kurz darauf flog Gladbachs Kapitän Jonas Hofmann nach einem zweiten Gelb vom Platz. „Doppelter Nackenschlag“, sagt Straten, „und beide Entscheidungen fragwürdig.“ Die Statistik spricht für sich: Erst fünf Mal in dieser Saison hatte ein Bayern-Gegner vor der 40. Minute in Unterzahl spielen müssen – drei davon gegen die Münchner.

Was folgte, war ein Spaziergang mit Haken und Ösen. Bayern dominierte Ballbesitz und Tempo, Gladbach wehrte sich mit zehn Mann wie ein Boxer auf der Seile. „Die Borussia hat kämpferisch eine Riesenleistung gebracht“, so Straten, „aber sie wurde regelrecht ausgebremst.“ In der 73. Minute schoss Marcus Thuram den Anschlusstreffer, doch der Treffer währte nur neun Minuten. Mathys Tel sorgte mit seinem vien Saisontor für die endgültige Entscheidung.

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Innerhalb von 90 Minuten kletterte das Hashtag #Zwayer auf Platz eins der deutschen Twitter-Trends. „Betrug in Rekordzeit“, schimpft ein User. „So wird Fußball zum Schach ohne König“, schreibt ein anderer. Die DFB-Schiedsrichterkommission bestätigte auf Nachfrage, dass „die relevanten Szenen intern ausgewertet werden“. Eine offizielle Rüge gegen Zwayer gilt als wahrscheinlich.

Für Bayern-Trainer Thomas Tuchel war die Debatte nach dem Abpfiff Nebensache. „Wir haben die drei Punkte geholt, mehr zählt nicht“, sagt er und weist jede Frage zur Schiedsrichterleistung mit einem Schulterzucken ab. Doch genau diese Haltung kritisiert Straten scharf: „Wenn wir so tun, als wäre alles in Ordnung, machen wir den Sport kaputt.“

Die Tabelle lügt nicht: Mit nun 61 Punkten baut Bayern die Tabellenführung vor Leipzig auf fünf Zähler aus. Gladbach bleibt Zwölfter, hat aber den bitteren Beigeschmack, erneut am VAR-Monitor zu scheitern. „So etwas darf sich nicht wiederholen“, sagt Straten und blickt schon auf den nächsten Spieltag. Dann empfängt Bayern den BVB – und ganz Deutschland fragt sich, ob der Video-Beweis endlich Farbe bekennt.