Bayern stellt ulreich zwischen die pfosten – und schert sich nicht um die krise
Leverkusen wird zum Kältekammer-Test. Ohne Neuer, ohne Urbig, ohne Stars – aber mit Sven Ulreich (37) im Tor. Die Personalpanne ist kein Störfaktor mehr, sie ist Realität beim FC Bayern. Und trotzdem redet die Führung von „vollstem Vertrauen“. Klingt nach Selbsttherapie.
Warum ulreich keine wackelkandidatur wird
Max Eberl spricht in Rasant-Tempo, als wolle er Zweifel abhängen: „Wir haben nicht einmal gezuckt.“ Kompany nennt seinen Ersatzmann eine „stabile Persönlichkeit“. Das klingt nach Routine-PR, doch dahinter steckt eine nüchterne Rechnung: Ulreich hat in den letzten drei Jahren 17 Pflichtspiele bestritten – und nur dreimal mehr als zwei Gegentore kassiert. Seine Erwartungswerte liegen dicht an Neuers Niveau. Die Daten versprechen Stabilität, das Gemüt liefert der Spieler. „Er weiß, dass Durchschnitt keine Option ist“, sagt ein Betreuer. Ulreich selbst quittierte die Nachricht mit einem Nicken – kein Instagram-Posting, kein Interview. Stille statt Show.
Die Ausfallliste liest sich wie ein Who-is-who der Außenbahn: Davies mit Oberschenkelzwick, Musiala mit Syndesmose-Reiz, Ito mit Faserriss. Drei Geschwindheitsdüsen, drei individuelle Lösungen für Leverkusen weg. Kompany wird wohl auf eine Dreierkette umschalten, hinten raus spielt Laimer als impulsiver Halblinks. Vorn soll Kane nach fünf Tagen Vollprogramm wieder von Anfang an laufen – ein Wink mit dem Zaunpfahl an die englische FA, die ihn im März zweimal vollständig schonen will.

Der zeitplan bis zur länderspielpause
„Keine Langzeitverletzten“, betont der Coach – kleiner Trost, große Deadline. Urbig soll bald wieder mit Kontakttraining starten, Musiala „vielleicht Anfang nächster Woche“. Das klingt nach Tagesform, doch intern heißt es: Wer bis 24. März nicht belastungsfrei trainiert, fliegt aus dem Kader. Die EM rückt näher, die Knochen werden wertvoller. Leverkusen ist also nur die erste Prüfung, nicht die letzte.
Die Fans diskutieren auf Twitter, ob Früchtl oder Schenk nicht doch mehr Zukunft wären. Die Antwort kommt aus dem Fitnesszentrum: Ulreich hat in dieser Saison mehr Ballkontakte pro 90 Minuten als jeder andere Bundesliga-Keeper – ein Indiz für Kompanies Erwartung, den Aufbau mitzugestalten, nicht nur zu retten. Kurz: Der 37-Jährige soll nicht nur halten, sondern auch denken.
Leverkusen selbst lacht nicht. Xabi Alonso warnt vor der „Erfahrung eines Mannes, der schon in Dortmund Meister wurde“. Und Ex-Bayern-KeeperButt liefert das Bonmot des Tages: „Ulreich braucht keine Nerven, er kennt sie schon.“ Am Samstag um 15.30 Uhr wird sich zeigen, ob diese Ruhe ansteckend wirkt – oder ob Bayerns Not zu groß ist für einen einzelnen Ersatz. Die Wette: Ulreich wird parieren, die Bayern werden gewinnen, und niemand wird danach über den verletzten Kapitän sprechen. So funktioniert Erinnerung im Profifußball: Sie beginnt erst nach dem Abpfiff.
