Bayern jagt den mythos: 97 tore in 27 spielen – der rekord aus 1972 ist nur noch vier treffer entfernt

Die Zahlen sind lauter als jedes Glockengeläut in der Allianz Arena: 97 Tore nach 27 Spieltagen. Der FC Bayern ist kein Fußballclub mehr, er ist eine Schießanlage mit Laufband. Gegen Union Berlin hätte es auch 8:0 stehen können, so sehr zogen die Münchner die Berliner auseinander wie ein altes Sockenpaar.

„Das ist schon etwas ganz Besonderes, was wir da gerade mit der Mannschaft erleben“, sagte Sportdirektor Christoph Freund nach dem 4:0 und klang dabei, als hätte er selbst noch nicht ganz begriffen, was da über das Feld rollt. Nur noch vier Treffer trennen die Bayern von der Bestmarke von 101 Toren aus der Saison 1971/72 – und das sieben Spieltage vor Schluss.

Kimmich gesteht: „es ist verrückt, dass wir so früh bei 97 sind“

Kapitän Joshua Kimmich stand nach Abpfiff mit verschwitzten Haaren vor den Mikrofonen und grinste wie ein Junge, der gerade erfahren hat, dass es keine Hausaufgaben mehr gibt. „Es ist tatsächlich verrückt, dass wir so früh bei 97 sind“, sagte er und schüttelte den Kopf. Dabei hätte es nach seiner Einschätzung „ruhig ein paar mehr“ sein können. Das ist keine Arroganz, das ist Statistik.

Die Tore gegen Union bekamen Namen: Michael Olise mit dem Führungstreffer, Serge Gnabry mit dem Doppelpack und Harry Kane mit dem vierten. Doch das ist nur die Titelseite. Die Geschichte steckt im Spiel davor. Die Bayern können alles: kontern wie 2013, kombinieren wie 1974, drücken wie 2020. „Wir können kontern, wir können Standards, wir können Ballbesitz, wir können einen Schnellangriff“, zählte Kimmich auf, als würde er ein Menü runterleiern.

Der rekord wird fallen – und zwar laut freund mit pauke und trompete

Der rekord wird fallen – und zwar laut freund mit pauke und trompete

„Die Bestmarke wird fallen, ja, davon gehen wir aus“, sagte Freund und klang dabei, als hätte er den Kalender schon durchgesehen. Nächster Gegner: Werder Bremen. Dann Mainz. Dann Freiburg. Es ist ein offener Supermarkt für Torjäger. Die Mannschaft spielt nicht nur Fußball, sie spielt ihn satt. „Sie hat Spaß, ist hungrig nach Toren, gibt nie auf, immer 90 Minuten Vollgas“, schwärmte Freund. Das klingt nach Marketing, ist aber Momentaufnahme.

Was niemand laut sagt: Diese Offensive ist auch eine Antwort auf die Frage, warum der FC Bayern auch in Zukunft ohne großen Transferaufwand Meister bleiben kann. Die Lösung steht schon auf dem Platz. Sie trägt die Nummer 9, 7 und 10. Und sie läuft in jedem Spiel ein bisschen schneller als die Zeit.

Der Rekord aus 1972 war lange ein Denkmal aus Beton. Jetzt ist er ein Trampolin. Wenn die Bayern in den letzten sieben Spielen ihr Tor-Tempo halten, landen sie bei 113 Treffern. Das wäre keine Rekordjagd mehr, das wäre ein Raubzug. Und die Fans? Die haben längst aufgehört zu zählen. Sie singen nur noch.