Bayern gegen efes: weiler-babb und laso kehren als feinde zurück

20.30 Uhr, SAP Garden – München zittert. Die Bayern empfangen Anadolu Efes Istanbul, doch heute geht es nicht nur um zwei Punkte in der EuroLeague. Heute geht es um Vergeltung. Nick Weiler-Babb, bester Verteidiger der vergangenen Saison, und Pablo Laso, der Coach, der den FCB vor zwölf Monaten verließ, stehen auf der gegnerischen Seite. Beide haben Rechnungen offen. Beide wollen beweisen, dass sie München nicht verlassen, sondern München sie verlassen hat.

Der fall weiler-babb: wie ein termin eskalierte

Die offizielle Version: Vertrag ausgelaufen, neues Kapitel. Die interne Version: Weiler-Babb buchte Ende Mai seinen Heimatflug in die USA, knöpfte sich den Terminkalender vor und sagte einen Sponsoren-Auftritt ab. Kurz darauf klingelte das Telefon in der Geschäftsstelle. Die Bosse waren nicht amüsiert. Kein Spieler, schon gar kein Leistungsträger, sticht den Klub. Die Konsequenz: Kein neues Angebot. Die Eskalation: Istanbul lauerte schon lange.

Laso wiederum kam, sah und musste gehen – nur ein Jahr nach seiner Verpflichtung. Die Bilanz: Play-off-Viertelfinale, aber keine Punkte für die geplante Trendsport-Offensive. Der spanische Meister-Coach galt als Taktik-Fuchs, doch die Mannschaft fand keinen Rhythmus. Als ihnen im Dezember die Play-in-Plätze wegliefen, zogen die Verantwortlichen die Notbremse. Svetislav Pesic übernahm, schraubte die Defense, erlaubt seitdem nur 74 Punkte pro Spiel – sechs Siege aus den letzten zehn Partien sprechen ihre Sprache.

Tabellenbild vor dem gipfel

Tabellenbild vor dem gipfel

Bayern liegt mit 13–15 auf Rang 13, drei Siege hinter Panathinaikos, dem letzten Play-in-Hoffnungsträger. Efes kratzt mit 9–19 am Boden, nur London liegt dahinter. Die Türken verloren sieben der letzten zehn Spiele, selbst der Trainerwechsel auf Laso konnte den Sturz nicht bremsen. Pesic warnt trotzdem vor „individueller Explosivität“: „Shane Larkin, Rodrigue Beaubois, Tibor Pleiß – die können in zehn Minuten 20 Punkte machen.“

Die Zahlen bestätigen die Ansage: Efes trifft 39 % der Dreier, liegt damit im EuroLeague-Ranking auf Platz 2. Das Problem: Sie verteidigen mit der Leidenschaft eines Sommerlochs – 85 Gegenzähler im Schnitt, schlechteste Quote der Liga. Bayern dagegen profitiert von der Pesic-Defense und der Heimkulisse. Im SAP Garden kassieren sie nur 72 Punkte – ein Wert, der Efes schon jetzt Albträume bereiten dürfte.

Personal und taktik

Bei den Bayern fehlt weiterhin Paul Zipser (Syndesmose), dafür ist Andreas Obst nach Muskelfaser-Einriss zurück im Kader. Pesic dürnte wieder mit Dreier-Gewehren starten: Isaac Bonga, Carsen Edwards, Vladimir Lucic. Im Zentrum bittet Johannes Voigtmann gegen Pleiß zum Kräftemessen. Weiler-Babb wird vermutlich direkt auf seinen Nachfolger Edwards angesetzt – ein Duell, das die Haupttribüne zum Kochen bringt.

Efes setzt auf Tempo. Laso liebt offene Seiten, schnelle Korbleger, frühes Pressing. Doch genau dort lauert Bayerns Falle: Die Münchener erzielen 18,4 Fast-Break-Punkte pro Spiel – nur Real Madrid und Barcelona sind effizienter. Wenn Efes die Ballverluste der letzten Wochen wiederholt, verwandelt Bayern jeden Steal in Showtime.

Mögliche verläufe

Sollte Efes die Drefferquote von außen unter 35 % rutschen, droht ein Schneeballeff. Bayern kontrolliert dann das Tempo, Voigtmann und Lucic rollen über die Pick-and-Roll-Switches, und die Crowd feiert ein 15-Punkte-Polster. Szenario zwei: Larkin erwischt einen seiner Monster-Abende, verwandelt Hälfte-Zur-Hälfte-Lay-ups, Beaubois versenkt kontestierte Pull-ups. Dann zittert München bis zur Schlusssirene.

Pesic’ Credo lautet: „Wir müssen ihre Egos kontrollieren, nicht ihre Körper.“ Gemeint ist: Keine Einzelaktionen erlauben, alle Help-Rotations früh einstellen, die Ballrückeroberung vor der Freiwurf-Linie erzwingen. Seine Spieler haben die Anweisung verstanden: In den vergangenen fünf Heimpartien kassierte Bayern nie mehr als 75 Punkte.

Stimmung und nebenkriegsschauplatz

Die Ultras planen eine Choreo mit Weiler-Babb-Voodoo-Puppe, die TikTok-Kanäle kursieren mit Hashtags wie #NoMercyForNick. Der Klub selbst hält sich bedeckt: „Wir begrüßen jeden zurück, der einmal unser Trikot trug“, sagt Vorstand Marko Pesic. Doch im Hinterzimmer deutet man an, dass Weiler-Babb‘ Verhalten „nicht im Sinn der Gemeinschaft“ gewesen sei.

Laso reagiert gelassen: „Ich habe München gerne, ich habe die Fans gerne. Aber jetzt trage ich das türkische Wappen auf der Brust.“ Sein Ziel: Den ersten Auswärtssieg seit 70 Tagen. Sein Problem: Die Bayern haben seit Pesic‘ Amtsantritt eine 8–2-Bilanz im eigenen Wohnzimmer.

Fazit

Die EuroLeague liefert selten eine so persönliche Geschichte: zwei Trainer mit komplett gegensätzlichen Philosophien, zwei Klubs mit Richtungswechsel, ein Spieler mit offener Rechnung. Wenn die Lichter im SAP Garden erlöschen, zählt nur noch, wer die Nerven behält. Die Statistik spricht für Bayern, das Momentum spricht für Bayern, die Leidenschaft der Fans spricht für Bayern. Bleibt die Frage: Schafft Efes das Kunststück, ausgerechnet in München die Trendwende zu starten? Die Antwort gibt es um 20.30 Uhr – live und in Farbe.