Baumeister knapp am sieg vorbei: 0,07 sekunden trennen ihn vom weltcup-triumph
Stefan Baumeister ist zurück. Nach dem olympischen Debakel in Krynica mit 0,07 Sekunden Rückstand auf Maurizio Bormolini aufs Podium gefahren – und das versöhnliche Gefühl zurückgeholt, dass er noch zu den Besten zählt.
Die vier jahre wartezeit fallen ihm schwerer als das finale
Der 30-Jährige fuhr im polnischen Schneegestöber eine Saison-Bestleistung ein, die sein Gesicht wieder Strahlen ließ. „Ich bin heute endlich wieder mal richtig ins Fahren gekommen“, sagte er mit rauer Stimme, als hätte er das selbst nicht mehr erwartet. Der WM-Zweite hatte sich in der Qualifikation in Peking verirrt, im Viertelkreis der Ungewissheit verhakt. Jetzt steht er wieder da, wo er hingehört: im Red-Zone-Gate, Seite an Seite mit dem italienischen Dauerbrenner Bormolini.
Ramona Hofmeister lieferte sich zwei Tage lang ein Solo mit sich selbst. Samstag holt sie Rang drei, Sonntag rutscht sie im kleinen Finale weg, bleibt liegen, schlägt mit der Faust in die Pulverschneekruste – und lacht trotzdem. „Alles gut. Ich bin zufrieden mit dem Wochenende“, sagt die 29-Jährige, als hätte sie gerade erst gelernt, dass Perfektion im Snowboarden ohnehin ein Mythos ist. Die Olympiateilnahme hatte sie mit dem Viertelfinalaus beendet; nun beweist sie Resilienz statt Resignation.

Der deutsche snowboard-verband zählt statt medaillen jetzt mikrosiege
Kein Gold, kein Silber – aber zwei Podestplätze innerhalb von 24 Stunden. Der Verbandspräsident wird das Excel-Sheet vor Freude nicht schließen können, denn Sponsoren lieben Storys vom Aufbäumen mehr als Leerzeilen in der Medaillenliste. Baumeisters 0,07-Sekunden-Drama liefert Bildmaterial für die nächste Kampagne, Hofmeisters Aufstehen nach dem Sturz liefert das emotionale Zusatzpaket.
Für Baumeister bleibt die Rechnung dennoch unerbittlich: 1 460 Tage seit seinem letzten Weltcup-Sieg. „So ein bisschen ärgert mich das schon“, gibt er zu, während seine Blicke schon Richtung Bansko wandern, wo er vor drei Wochen noch Zweiter wurde. Dort will er die Lücke endlich schließen – und die 0,07 Sekunden in plus verwandeln.
