Inzell-coup: sonnekalb raubt der eisschnellauf-welt den atem

Finn Sonnekalb tritt aus dem Schatten von Mailand und schreibt in Inzell Geschichte. Fünf Goldmedaillen, ein Junioren-Weltrekord, ein Statement – der 18-jährige Thüringer fegt durch die Nachwuchs-WM wie ein Sturm, der sich nach dem enttäuschenden Olympia-Auftritt rächt.

Der Teamsprint am Sonntag war nur der krönende Abschluss. Gemeinsam mit Ben-Luca Kleinke und Levente Engst jagte er über die 3×400 m in 1:57,32 min – keine Gegner-Truppe kam auch nur in die Nähe. Die Entscheidung fiel nach 300 Metern, als Sonnekalb mit einer Öffnung von 25,8 s das Tempo so brutal erhöhte, dass selbst die bis dahin führenden Niederländer ins Wanken kamen.

Die zahlen, die den aufstieg dokumentieren

Vier Tage, fünf Starts, fünf Siege – dazu Bronze in der Teamverfolgung. Die Chronologie liest sich wie ein Lehrbuch der Dominanz: Freitag 500 m in 35,64 s, direkt danach 1.500 m in 1:51,9 min. Samstag 1.000 m in 1:09,83 min – neue persönliche Bestzeit – und abends Allround-Gesamtsieg mit 149,050 Punkten, 3,4 Sekunden vor dem Zweitplatzierten Kanadier Brooks. „Ich wollte beweisen, dass Mailand nur ein Ausrutscher war“, sagte Sonnekalb, während er sich die Eiskristalle aus dem Gesicht wischte. „Die Lungenentzündung hatte mich ausgehöhlt. Jetzt atme ich wieder voll durch.“

Die Leistungsdichte ist längst kein Jugendspiel mehr. In Collalbo 2025 hatte er „nur“ drei Titel geholt, diesmal steigerte sich Sonnekalb auf ein Niveau, das laut Bundestrainer Pascal Renoth „bei Junioren in den letzten zehn Jahren einmalig ist“. Internationale Scout-Listen führen den Deutschen mittlerweile in der Kategorie „Olympia-Reif 2030“ ganz oben.

Von der krankheit zurück aufs podest

Von der krankheit zurück aufs podest

Die Bronchitis nach Mailand war hartnäckig. Drei Wochen kein Eiskontakt, stattdessen Atemwegs- und Rehatraining im Thüringer Wald. „Ich bin morgens um sechs aufgestanden, habe erstmal 45 Minuten Atemgymnastik gemacht und bin dann mit der Stirnlampe durch den Schnee gelaufen“, erzählte er dem Bayerischen Rundfunk. Die Belastungssteuerung war so aggressiv, dass das Olympiastützpunkt-Team kurz vor einem Trainingsverbot stand. Doch der Teenager setzte sich durch – und beschleunigte seine Schrittfrequenz auf 46 pro 200 m, eine Zahl, die normalerweise nur bei Weltklasse-Senioren auftaucht.

Die Konkurrenz schaute teilweise hilflos. Zweitplatzierter Allround-Fahrer Brooks war nach dem 1.000-m-Rennen so platt, dass er seine Eisspitzen kaum noch binden konnte. „Wir haben Finn analysiert, aber seine Beschleunigung aus der letzten inneren Bahn ist nicht zu verteidigen“, sagte der kanadische Coach Mike Ireland.

Was das bedeutet – für ihn und für uns

Sonnekalb fliegt heute Nachmittag von Salzburg direkt nach Erfurt. Dort wartet bereits ein Meeting mit dem DOSB-Präsidium, um die Förderstufe „Olympia-Klasse“ zu erhöhen. Der Vertrag mit dem Bundeswehr-Sportförderkreis liegt unterschriftsreif auf dem Tisch. Entscheidend wird die nächste Saison: erste Weltcup-Einsätze, erste 500-m-Rennen gegen die Großen, erste Langbahn-Stürme gegen Ning Zhongyan und Co.

Die Eisschnellauf-Welt blickt nach Thüringen. Und Sonnekalb? Der lacht nur. „Ich will 2027 Weltmeister werden, 2030 in den Rocky Mountains olympisches Gold.“ Keine Puste, kein Zweifel, nur diese eiskalte Entschlossenheit. In Inzell hat er bewiesen: Wer sich nach einer Lungenentzündung fünf Mal durchbeißt, für den ist das Podest von 2030 schon jetzt ein Stückchen näher gerückt.