Sonnekalb fegt fünf goldbögen mit: inzell ist seine revanche

Finn Sonnekalb verließ Inzell nicht einfach – er raubte der Eisfläche fünf Goldmedaillen, ein Silber des Frusts und die Erinnerung an Mailand. Der 18-Jährige, vor fünf Wochen noch von Fieber gebeutelt und auf den Rängen 12 und 13 versteckt, jagte am Wochenende durch die Jugend-WM wie ein Befreiter: 34,91 Sekunden über 500 m, 1:50,72 Minuten über 1500 m, 1:09,98 Minuten über 1000 m – und am Ende den Allround-Kragen, der in der Nachwuchszunft schon fast Olympiasieger heißt.

Die zahlen, die seine antwort sind

3 Tage, 5 Gold, 1 Bronze – das ist keine Sammlung, das ist eine Kampfansage. Mit Ben-Luca Kleinke und Levente Engst riss er im Teamsprint sogar die eigene Jugend-Bestmarke um 1,03 Sekunden herunter. Die Konkurrenz schaute nicht nur zu, sie schaute in die Röhre. Denn Sonnekalb fuhr nicht schneller als die Konkurrenten, er fuhr sie weg.

Die Geschichte dahinter: In Mailand war die Lunge noch voller Schleim, die Beine voller Blei. „Ich bin reingefahren und dachte nur: Bitte nicht stürzen“, sagte er hinterher. In Inzell dachte er: Bitte nicht bremsen. Und das tat er nicht. „Ich merke, wie die Form langsam, aber wirklich sehr gut wiederkommt“, sagte er dem Berchtesgadener Anzeiger – und klang dabei so entspannt, als habe er gerade nur einen Milchkaffee getrunken, nicht die Jugend-WM weggeräumt.

Vom fiebertraum zum fünffachen traum

Der Thüringer hatte die letzte Saison mit drei Goldstücken in Collalbo eingeläutet, dann kam Corona, dann kam Mailand, dann kam nichts. Jetzt kommt wieder alles. Der Bundestrainer spricht schon vom „Generationwechsel auf Kufen“, die Konkurrenz redet leise, weil sie laut sonst keine Luft mehr kriegt. Sonnekalb selbst? Der schaut nach vorn. Inzell war die Befreiung, die nächste Station heißt Weltcup. Und der ist kein Jugendwettbewerb mehr.

Die Botschaft: Olympia war ein Tiefschlag, aber kein Todesstoß. Wer fünf Goldringe trägt, der trägt auch die Zukunft. Die Eisschnelllauf-Saison ist noch jung – und Sonnekalb ist schon heiß.