Barcelona fliegt auf der welle der fans richtung meisterschaft
Einmal mehr lebten die Spieler des FC Barcelona länger, lauter, leidenschaftlicher. Die Umarmung am Mittelkreis war diesmal keine Routine, sondern ein Bekenntnis: Wir sind auf dem Weg zum Titel, und kein Baustellenzaun kann uns stoppen.
Das 1:0 gegen Rayo Vallecano war nicht der erhoffte Galaktische, aber es war der typische Nähmaschinen-Sieg, der Meisterschaften näht. Ronald Araújo stieg in der 29. Minute am zweiten Pfosten empor, verwandelte Joao Cancelos perfekten Eckball und erlöste eine Mannschaft, die schon wieder um den Auswärtsschrecken zitterte.
Joan garcía schreibt märchen mit handschuhen
Die eigentliche Hauptfigur hieß Joan García. Der 23-jährige Keeper feierte seine erste La-Liga-Startelfnominierung mit einer Galavorstellung: vier Schüsse, vier Paraden, null Gegentore. Drei davon hätten normalerweise den Ausgleich bedeutet. Stattdessen schlug er sich auf den Rasen, als hätte er das Pokalfinale gewonnen – und vielleicht war das genau das.
Barcelona kehrt in die Kabine mit vier Punkten Vorsprung auf Real Madrid und mit dem Gefühl, dass das Pendel endgültig nach links schlägt. Die Buchmacher kürzen täglich die Quoten, die Cules schmettern täglich ihre Lieder. Das Camp Nou, halb verhüllt von Gerüsten, klingt trotzdem wie in alten Tagen.
Die Zahlen lügen nicht: 15 Heimsiege in Serie, 38 Punkte aus 42 möglichen im eigenen Stadion. Wenn die restlichen vier Heimspiele – Derby gegen Espanyol, Celta, dann später Real Madrid und Betis – genauso überstanden werden, stellt der Klub den Liga-Rekord seit Einführung der 38-Spiel-Saison ein. Keine andere Mannschaft war jemals so dominant in den eigenen Mauern, selbst wenn diese Mauern noch nicht mal trocken sind.

Der umzugstrick wird zur normalität
Die Odyssee der Spielstätten ist längst Routine. Montjuïc, Mini-Estadi, Camp Nou-Baustelle – die Spieler wechseln mit dem Selbstverständnis von Hotelgästen. „Wir sind einfach nur das Team, das gewinnt“, sagte Trainer Xavi nach Abpfiff, und darin steckt mehr Philosophie als Kritik. Wer unter diesen Bedingungen Meister wird, der darf sich fortan „Eisenhüter“ nennen.
Der Kalender bietet noch neun Spiele. Vier davon daheim, fünf auf fremdem Terrain. Das größte Stolperdatum ist der 21. April, Clásico im Camp Nou. Wenn Madrid dort nicht gewinnt, bleibt die Meisterschaft in Barcelona. Wenn Madrid gewinnt, wird es eng. Aber selbst dann hätte Barcelona noch die bessere Tordifferenz und die bessere Moral.
Die Spieler wissen das. Deshalb tobten sie wie Kinder, als Schiedsrichter Adrián Cordero Vega pfeifte. Die Meisterschaft ist kein Luftschloss mehr, sie ist ein offenes Tor, durch das man nur noch hindurchlaufen muss. Und wenn das letzte Mal die Musik erklingt, steht das halbe Camp Nou schon wieder im Rohbau – aber das spielt keine Rolle. Die Fans tragen den Titel sowieso schon in ihren Kehlen.
