O'reilly schreibt nach madrid-debakel wembley-märchen

Der 19-Jährige, den Guardiola noch vor Wochen links hinten verheizte, köpfte Manchester City zum fünften Ligapokal-Titel – und sich selbst in die Geschichtsbücher.

Vom valverde-opfer zum cup-held: ein halbes jahr voller kontraste

Vom valverde-opfer zum cup-held: ein halbes jahr voller kontraste

Der Februarabend im Bernabéu war für Nico O'Reilly eine einzige Erinnerung an Rückennummern, die davonflitzen. Fede Valverde drehte sich drei Mal um den jungen Engländer, ein Hattrick, der in den sozialen Netzwerken als GIF endlos schleudert. 3:0, ein Debakel, das in der Presse mit seinem Namen beschriftet wurde.

Keiner redete damals von seinem 19. Geburtstag, der in Madrid unterschluckt wurde. Stattdessen titelten die Boulevardblätter: „Kinderzahnrad im Getriebe kaputt“. Pep Guardiola stellte ihn daraufhin für das Rückspiel auf die Bank, setzte auf Aït-Nouri – und viele glaubten, die O'Reilly-Story sei nach 44 Tagen Profifußball schon wieder vorbei.

Doch Wembley kennt keine Reservistenrollen, nur Rampenlichter. Im Finale gegen Arsenal rückte der Brite erneut als Notlösung ins defensive Mittelfeld, diesmal als „3“, ein Begriff, der in seiner Kindheit noch ein Autobahndreieck war. Er köpfte zwei Mal, bevor der erste Konter überhaupt rollte. 0:2, Pokal Nummer fünf für City – Rekord, ohne Zweifel, aber Rekord mit Gesicht.

„Ich bin mit dem Bus hier vorbeigefahren, nie drin“, sagte er nach Abpfiff und klang, als hätte jemand ihm die Fernbedienung aus der Hand genommen und ihn ins Programm gesteckt. „Dass ich jetzt selbst die Treppe hochsteige, macht alles wett.“ Guardiola, sonst nüchtern wie ein Laborbericht, schwärmte: „Nico ist vielleicht die Transferperle des Jahres – nur dass wir ihn nicht kaufen mussten.“

Die Zahlen sprechen lauter als die Kritik nach Madrid: acht Tore, fünf Vorlagen in 44 Pflichtspielen, dabei ständig neue Positionen lernend wie ein Schüler, der nachts noch das Lehrbuch unter der Decke liest. City hat keine Ablöse gezahlt, aber einen Spieler gezüchtet, der mit jedem Gegentor dazulernt und mit jedem Treffer die Zweifler verstummen lässt.

Im Sommer wartet der nächste Crashkurs: WM in Nordamerika, Englands Mittelfeldzentrum sucht einen Linksfuß, der hinten sichert und vorne trifft. Für O'Reilly klingt das nicht nach Druck, sondern nach Logik. „Solange ich laufe, bin ich glücklich“, sagt er. Dabei klingt seine Stimme so, als wäre Madrid nur eine alte Folge einer Serie, die gerade erst begonnen hat.

Manchester feiert seinen jungen Falke, der aus der eigenen Akademie stammt und trotzdem wie ein Neuzugang wirkt. Die Fans skandieren seinen Namen, die Statistiker korrigieren ihre Prognosen. Guardiola hat recht: Manchmal ist der beste Neuzugang der, den man nie kaufen musste. Und manchmal reichen 90 Minuten in Wembley, um ein ganzes Madrid-Debakel zu entzaubern.