Ankermanns handy klingelt nach dem derby: dhb-lehrgangs-coup aus dem mittagsschlaf
Mit dem Sieg gegen Flensburg noch warm geduscht, klingelt das Telefon. Am anderen Ende: Erik Wudtke, Co-Trainer der Nationalmannschaft. Was folgt, ist keine Standard-Glückwunsch-SMS, sondern die Einladung in den DHB-Lehrgang – und das für einen Spieler, der vor zwölf Monaten noch in der U19 um die Weltmeisterschaft war.
Rasmus Ankermann lacht noch immer, wenn er an den Moment zurückdenkt. „Ich bin gerade aus dem Mittagsschlaf aufgewacht, das Handy vibriert, und Erik labert erst mal rum wie ein Wasserfall. Dann kommt’s raus: ‚Pack Deine Zahnschutzbox ein, du fliegst mit uns nach Hamburg.‘“ Der 19-Jährige traf in der Partie gegen Flensburg mit dem 33:30-Endstand seinen zweiten Siebenmeter zum 34:30 – ein Tor, das in Kiel längst als Symbol für den Machtwechsel im Norden gehandelt wird.
Warum wudtke genau jetzt anruft
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Wudtke und Ankermann verbindet die Gold-Medaille der U19-WM 2023, bei der der Linkshänder mit 52 Treffern Topscorer wurde. Seitdem tickt bei beiden ein gemeinsamer Timer: Wann holen wir den Jungen? Antwort: Gleich nach dem dritten Pflichtsieg in Serie, denn der THW hat die Nord-Dominanz zurückerobert.
Die Statistik spricht eine klare Sprache: 116 Derbys, 37:33-Siegquote für Kiel – aber die letzten drei Duelle binnen 27 Tagen gingen an die Zebras. Ankermanns Quote in dieser Phase: 13/15 aus dem Rückraum, 86 % Trefferquote, Null technische Fehler. Zahlen, die selbst den erfahrenen Bundestrainer Alfred Gislason stutzen lassen.
„Wir haben keine Wildcard für Talent, wir haben einen Rohdiamanten mit Schleifzertifikat“, sagt Gislason, der den Spieler zunächst nur als „Trainingsgast“ einlädt, um interne Druckstufen zu vermeiden. Denn hinter den Kulissen wird bereits für Januar spekuliert – dann, so Insider, soll Ankermann erstmals im Kader für die EM-Quali stehen.

Was ihn erwartet – und was nicht
Donnerstag, 9 Uhr, Sportschule Hamburg. Dort angekommen, wartet kein roter Teppich, sondern ein Härtetest mit Uwe Gensheimer und Andreas Wolff. Ankermann bekommt 48 Stunden, um sich in der A-Nationalmannschaft zu beweisen, bevor er zurück in die U20-WM-Vorbereitung düst. „Ich nehme alles mit, was nicht nagelt“, sagt er und grinst, „selbst die Erbse unter Wolffs Block.“
Derweil plant THW-Coach Filip Jicha schon weiter. „Rasmus bekommt keine Minuten-Garantie, aber er bekommt Verantwortung. Wenn er in Hamburg mithalten kann, wird er auch in der Champions-League-Phase gegen Barcelona kurzfristig nominiert.“ Der Klub hat bereits signalisiert, das Lehrgangs-Comeback mit einem neuen Vertrag bis 2027 zu belohnen – aktuell läuft der Vertrag noch bis 2025.
Für Ankermann selbst bleibt nur eins: „Ich packe meinen Koffer, meine Schiene – und mein Derby-Trikot. Das behalte ich als Erinnerung daran, dass aus dem Mittagsschlaf auch der Traum wach werden kann.“
