Andreas wolff tauscht handball gegen darts: chemnitz wartet auf den german giant

Andreas Wolff steht sonst zwischen den Pfosten, nicht vor der Scheibe. Am Samstag jagt der THW-Kiel-Star aber keine Bälle, sondern Pfeile – und das mit einer Mischung aus Respekt und Selbstironie. „Ich bin froh, wenn ich die Scheibe treffe“, sagt der 32-jährige Nationaltorwart, der beim Promi Darts Masters in Chemnitz sein Debüt gibt. Für jemanden, dessen Job darin besteht, Geschosse abzuwehren, ist das ein Rollentausch mit Promi-Potenzial.

Warum ein torwart plötzlich wirft statt hält

Die Antwort steht in einem Autohaus an der Zwickauer Straße. Als Markenbotschafter wurde Wolff eingeladen, gegen Gabriel Clemens, Ricky Evans und Mensur Suljovic anzutreten. Dazu kommen Julia Taubitz, Gold im Rodeln, und Ikke Hüftgold, Gold auf dem Ballermann. Für Wolff ist das kein PR-Gag, sondern ein Experiment gegen die eigene Natur. „Mein Berufsbild ist eher, dass Dinge auf mich zufliegen. Hier muss ich etwas von mir weggeben. Das ist gegen meine DNA.“

Die Zuschauer im Chemnitz-Arena werden trotzdem jubeln. Der Ally-Pally-Charme der Darts-WM ist auch auf Sachsen übergeschwappt. 3.000 Fans, Bierduschen, 180!-Rufe – das alles erwartet jemanden, der sonst nur das Kreischen der Handball-Fans kennt. „Beim Handball ist die Stimmung familiär. Hier geht es mehr zur Sache“, sagt Wolff. Und er verspricht: „Ich nehme die Herausforderung an. Punkt.“

Die quote spricht gegen ihn – und das ist gut so

Die quote spricht gegen ihn – und das ist gut so

Buchmacher sehen Wolff als 25:1-Außenseiter. Er selbst lacht darüber. „Talentfrei“ sei er, sagt er, und das fehlende Feingefühl sei „nicht trainierbar“. Doch genau das macht das Event erst richtig spannend. Denn wenn der beste Handball-Torwart der Bundesliga am Oche steht und verliert, gewinnt die Geschichte. Und wenn er trifft? Dann hat Chemnitz ein neues Gesicht für ein Format, das ohnehin immer größer wird.

Am Freitag steht noch das Pflichtspiel in Melsungen an. Danach fliegt der Kader direkt nach Sachsen. Für Wolff ist das kein Abstecher, sondern eine Art Selbsttest. „Das erste Mal Darts-Turnier. Ich will wissen, wie sich das anfühlt, wenn die Menge brüllt und ich nur drei Pfeile habe.“

Die Antwort kommt am Samstagabend. Um 19 Uhr geht’s los. Wolff wird nicht gewinnen – das weiß er, wir und die Buchmacher. Aber er wird treffen. Und vielleicht genau das ist der Triumph: ein Torwart, der trifft, statt abwehrt. Chemnitz wartet. Die Pfeile sind gewetzt. Die Geschichte ist bereit.