Ambühl beendet mit 1.322 spielen: davos verabschiedet seinen ewigen dauerläufer

Der Eispilz schmolz, die Bande bebte – und dann war Schluss. Vor einem Jahr, am 10. April 2025, verließ Andres Ambühl das Davoser Eis, drehte sich noch einmal um, winkte kurz und verschwand. 6:4 hieß es gegen die ZSC Lions, doch das Ergebnis war Nebensache. Mit diesem Abend beendete der 42-Jährige nach 24 Jahren die längste NL-Karriere aller Zeiten. 1.322 Einsätze stehen seitdem als Schallmauer da, 53 mehr als Beat Gerber je erreichte. Eine Zahl, die vermutlich länger hält als die meisten Eisbahnen in der Schweiz.

Die zahlen sprechen, ambühl schwieg nie

Er war nie der Lauteste, schon gar kein Trash-Talker. Seine Argumente lieferte er mit den Kufen. 737 Scorerpunkte in der höchsten Schweizer Klasse, sechs Meistertitel, dreimal Spengler-Cup-Sieger mit dem HCD – und achtmal «Most Popular Player». Kein anderer hat diese Trophäe so oft geholt, seit sie 2009 vergeben wird. Ambühl holte sie sich, als wäre sie reserviert. Die Saison 2020/21 war sein Feuerwerk: 44 Punkte in 45 Spielen, mit 44 Jahren auf dem Buckel. Da hätte man ihm auf den Leisten röntgen können – vermutlich findet man noch Akku-Aufdruck von Duracell.

Die Playoffs? Er spielte 231 davon, nur Beat Forster hat mehr. Die Regular Season? 1.091 Spiele, Rekord. Die Nationalmannschaft? 352 Länderspiele, 151 WM-Einsätze, 20 Weltmeisterschaften, dreimal Silber. Olympische Ringe? Fünf Mal. Eine Medaille blieb aus, doch wer 20 WM-Sommer überlebt, braucht kein Edelmetall, um geadelt zu sein. Ambühl ist der Inbegriff von Beständigkeit in einer Liga, die sich alle zwei Jahre umbenennen könnte.

Captain, kollege, kult – und jetzt? leere

Captain, kollege, kult – und jetzt? leere

Seit 2014 trug er das „C“ auf der Brust. Die Jungs nannten ihn „Büehli“, die Fans „unser Dauerläufer“. Wenn er über die blaue Linie stürmte, wusste jeder: der Puck kommt wieder raus, irgendwie. Seine Schlittschuhe arbeiteten wie Schneepflüge, seine Stockhand lag immer flach. Trainer liebten ihn, weil er Strafen killte wie ein Staubsauger Krümel. Gegner hassten ihn, weil er nie müde wurde. Die Liga wird ihn vermissen wie eine Uhr den Sekundenzeiger.

Die ZSC Lions, die sein letztes Opfer waren, feierten danach die Meisterschaft. Ironie des Sports: Der Mann, der dem HCD sechs Titel bescherte, beendet seine Laufbahn mit einer Niederlage gegen jene Zürcher, bei denen er 2018 seinen sechsten Pokal holte. Danach ging er durchs Spielertunnel, blieb kurz stehen, hob die Hand – und war weg. Keine große Rede, keine Tränen-Show. Typisch Ambühl: Er lief einfach nicht mehr zurück.

Die Nachfolge? Noch versucht Davos sein System ohne Motor Ambühl hochzuziehen. Die Arena ist leiser geworden, die Kurven langsamer. Statistiker rechnen aus, dass seine Rekorde mindestens eine Dekade stehen bleiben. Einer muss 1.323 Spiele absolvieren, um ihn zu überholen. Das bedeutet 18 Vollsaisonen ohne Verletzung, ohne Pause, ohne Rücktritt. Gute Nacht.

Danke, Büehli. Die Eiszeit endet, die Legende läuft weiter – irgendwo zwischen den Bluelines der ewigen Tabelle.