Alba stoppt vechta mit letztem atemzug – delows comeback rettet calles

90:85, 42 Sekunden vor Schluss, Tommy Kuhse allein auf der Linksflügel-Insel – der Ball streift den Ring, springt raus, Berlin kneift die Luft an. Mit diesem einen Zentimeter Metall endet nicht nur ein Spiel, sondern auch eine 16-Spiele-Playoff-Fluch-Serie, die Coach Pedro Calles seit seinem Amtsantritt wie ein dunkler Regenmantel auf den Schultern lastete.

Delow kehrt zurück und schaltet sofort auf krawall

Malte Delow stand am Sonntag noch im Dunkel der Kabine, Licht aus, Handy weg, selbst lesen war ein Risiko. Dienstagabend war er der erste, der nach dem Finale-Pfiff auf Jonas Mattisseck zutrabte und ihm die Hand auf die kahl rasierte Kopfhaut drückte. „Ich wollte nur noch Gas geben“, sagte der 25-Jährige, zwei Punkte, zwei Rebounds, 21 Minuten reine Energie. Seine Aufgabe: Tevin Brown ersticken, nach dessen 30-Punkte-Feuerwerk im ersten Duell. Ergebnis: Brown saß die letzten 17 Minuten auf der Bank, durfte drei Minuten Restluft schnuppern und fand nie wieder seinen Rhythmus.

Die Zahl, die Alba wieder Leben einhaucht: 17-7-Rebound-Vorteil im dritten Viertel. Norris Agbakoko wirbelte wie ein Wirbelwind durch die Zone, Moses Wood traf vom Perimeter, Martin Hermannsson schaltete auf Playoff-Modus und versenkte die Freiwürfe, als gäbe es kein morgen. Doch die eigentliche Wende war unsichtbar: Die Lautstärke in der Arena stieg um exakt 8 Dezibel – gemessen am Schallpegel-Meter des Stadions –, sobald Delow reinkam. Vechta begann zu stottern, fünf Ballverluste in Folge, Berlin drehte eine 63:70-Defizit in eine 78:77-Führung.

Kuhses verräterischer ring und wagners solo-trip

Kuhses verräterischer ring und wagners solo-trip

42 Sekunden. Tommy Kuhse. Dreipunkt-Linie. Der Schuss, der die Serie nach Berlin oder in die Verlängerung hätte tragen können, kullert heraus, statt hinein. „Der Ball guckte schon rein“, flüsterte selbst Dyn-Reporter Florian von Stackelberger ins Mikro, als hätte er einen Geist gesehen. Danach Hermannsson eiskalt, Justin Bean mit dem Kill-Dreier, 88:83 – Sprengstoff für die Vechter Hoffnung.

Franz Wagner? Der Weltmeister saß in Reihe 14, verzog keine Miene, winkte kurz, aber kam nicht runter in die Kabine. „Der macht sein eigenes Ding“, grinst Delow, der sich mit 24 noch wie ein Schuljunge anhört, wenn er von seinem Kumpel spricht. Vielleicht reicht das als Glücksbringer – vielleicht braucht Berlin ihn auch gar nicht mehr.

Freitag, 18.30 Uhr, Rasta Dome. Dort hat Vechta diese Saison erst zweimal verloren. Doch die Berliner tragen nun nicht mehr den 16-Spiele-Albatros um den Hals. Sie tragen Delows Kopfschutz – und der passt offensichtlich.